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EZB lässt Leitzins wie erwartet bei 1,25 Prozent

Europäische Zentralbank erhöht Leitzins nicht
(c) dapd (Thomas Lohnes)
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Der Leitzins wird trotz anziehender Inflation nicht erhöht. Trichet signalisiert eine Zinspause, die den Euro auf Talfahrt schickt. Erst im Sommer könnte der nächste Schritt folgen.

Der Leitzins im Euro-Raum bleibt bei 1,25 Prozent. Diese Zinspause beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) trotz der anziehenden Inflation bei seiner auswärtigen Ratssitzung am Donnerstag in Helsinki. Das teilte die EZB in Frankfurt mit. Im April hatten die Währungshüter den wichtigsten Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euro-Raum mit Zentralbankgeld erstmals seit der Finanzkrise leicht angehoben.

Die Europäische Zentralbank wird die Zinsen auch im Juni voraussichtlich noch nicht weiter erhöhen. EZB-Chef  Trichet sagte zwar, die Währungshüter würden alle Entwicklungen "sehr genau" beobachten. Die Geldpolitik stimuliere die Wirtschaft immer noch und die Zinsen seien weiter niedrig. Dies deutet zwar auf Zinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf hin. Trichet verwendete in seinen Anfangsbemerkungen auf der üblichen Pressekonferenz aber nicht die Formulierung "große Wachsamkeit". Diese Worten gelten an den Finanzmärkten als Signal, dass die Notenbanker die Geldpolitik im folgenden Monat straffen.

Nur Frage der Zeit

Die Inflation zog zuletzt weiter an und erreichte im April im Euro-Raum 2,8 Prozent. Sie entfernte sich damit noch weiter vom Zielwert der Notenbank von knapp unter zwei Prozent. Angesichts der steigenden Preise und der guten Konjunktur ist es für Experten nur eine Frage der Zeit, wann die EZB erneut an der Zinsschraube dreht. Sie stehen damit im Widerspruch zum EZB.Präsidenten.

Volkswirte erwarten, dass die Notenbank den Leitzins in den nächsten Monaten in kleinen Schritten auf 2,0 Prozent anheben wird. So sollen der Preisdruck gesenkt und die Kaufkraft in Boom-Ländern wie Deutschland erhalten werden.

Höhere Zinsen belasten Krisenstaaten

Höhere Zinsen verteuern aber auch Kredite. Daher könnten sie Gift für die Erholung der Konjunktur sein und vor allem einen Aufschwung in Krisenstaaten wie Irland, Griechenland und Portugal noch schwieriger machen. Experten der DZ Bank sehen die Währungshüter daher in einer Zwickmühle: "Einige Kernländer könnten deutlich kräftigere und schneller steigende Leitzinsen gebrauchen, um einen möglichen Preisdruck abzufangen. Steigende Leitzinsen verschlechtern aber auch insbesondere in der Peripherie die Verschuldungssituation der privaten Haushalte, wodurch dort die Zahlungsausfälle zunehmen."

Zusätzlich stärkt der Ausblick auf weiter steigende Zinsen den Euro. Denn während die EZB geldpolitisch einen Gang zurückgeschaltet hat, steht die US-Notenbank Fed noch voll auf dem Gaspedal und pumpt hohe Summen in den Geldkreislauf. Die Bank of England (BoE) beließ ihren Leitzins am Donnerstag auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent.

(APA)