Hier eine Enthüllung – halt, von einer Enthüllung will ich nicht sprechen, setzt eine solche doch voraus,
dass deren Inhalt jemand interessieren könnte.
Hier eine Enthüllung – halt, von einer Enthüllung will ich nicht sprechen, setzt eine solche doch voraus,
dass deren Inhalt jemand interessieren könnte. Hier also eine schlichte Feststellung: Ich kann die Franzosen nicht verstehen. Das liegt natürlich zuallererst an meinem Französisch (wobei man das, über was ich da sprachlich verfüge,
nicht als Französisch bezeichnen werden kann, ohne dieser schönen Sprache grob unrecht zu tun). Dann aber gleich auch daran, dass ich das Verhalten der Franzosen, was ihre Sprache angeht, einfach nicht nachvollziehen kann. Die große Nation führt doch seit vielen Jahren einen Kampf gegen die imperialistische Ausdehnung der Weltsprache Englisch, mit dem Ziel einer Rückkehr des Französischen als Lingua franca. Ein höchst respektables Anliegen, wie ich meine. Und ich bin auch gern bereit, brav „ordinateur“ statt Computer zu sagen. Doch warum bitte schön werden Frankreichreisende, die nicht auf Deutsch bestehen oder gleich auf Englisch switchen, sondern versuchen sich mit ihrem Schulfranzösisch durchzuwurschteln, von den Muttersprachlern eiskalt abserviert? Ich stehe da also in dieser „boulangerie“ und versuche ein Croissant und ein Baguette (ja, mein Leben ist ein Klischee) zu kaufen, doch der Verkäufer schaut mich an, als könne er sich überhaupt nicht vorstellen, was ich von ihm wollen könnte. Als ich dann beginne, mit dem Finger auf die Ware zu zeigen, packt er mir sieben (!) Croissants und kein Baguette ein. Noch schlimmer ergeht es mir im Frühstücksraum unserer Unterkunft. Die Bedienung will meine vierstellige Zimmernummer so lange nicht verstehen, bis ich sie auf einen Zettel schreibe. Was heißt bitte Demütigung auf Französisch? Wie gesagt: Ich kann die Franzosen nicht verstehen. Aber das beruht ja offenbar auf Gegenseitigkeit.