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Geschmacksfrage: Kontrapunkt

(c) Julia Stix
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Ein junger Wilder in einer entspannten Umgebung für den Preis-Leistungs-Wiener. Es schmeckt nur wirklich gut.

Manche Institutionen verschwinden, und sie gehen uns gar nicht so ab. Das Vinissimo nahe der Mariahilfer Straße ist eine halbe Ewigkeit ein Pionier und Vorzeigebetrieb gewesen. Hier hat es Antipasti gegeben, als den Wienern zu Hause noch Aufschnitt reichte. Hier hat es auch heimische Weine gegeben, die zwischen Weinskandal und Smaragd lagen und großartig waren. Hier wurde entspannt gegessen und getrunken, da war der Karmelitermarkt auf den Landkarten künftiger Bobos noch nicht einmal eingezeichnet. Das ging lange gut, aber irgendwann nicht mehr so recht. Finanziell wurde es manchmal eng, Weine und Antipasti gab es längst beim Diskonter. Am Schluss sollte noch ein Slow-Food-Konzept helfen, aber da war es schon zu spät.

(c) Julia Stix


Doch es geht großartig weiter – mit dem „Kontrapunkt“. Normalerweise bin ich misstrauisch, wenn die Hedonismus-Kollegen einen Jamie Oliver für Junge feiern, seinen Sponti-Kücheneinsatz am allgemein einschaubaren Herd bejubeln, als gehörte er zu den Sterneköchen. (Die hingegen müssen immer wieder scharf angegriffen werden. So einfach ist das Kritikergeschäft.) Aber in diesem Fall setze ich mir die Brunnenmarkt-Krone auf und klatsche laut mit: Der junge Patrick Sowa mit der Flex-tauglichen Brille kocht wirklich sensationell. Gut, man muss Gemüse mögen, aber an dem kommt man dieser Tage nicht vorbei. Der gewinnende Geschäftsführer informiert den Gast, dass es ein Überraschungsmenü gibt. Den Schmäh, dass das sicher von Walter Eselböck abgeschaut wurde, finde nur ich lustig, bevor vier schnelle Gänge froh machen: zuerst eine Scheibe Thunfisch mit Gemüse wie Karottenpüree und Rhabarber, sensationell. Dann gibt es zweimal Fisch, einmal mürben Oktopusarm und Seeteufel, dann Zander mit Lardo, alles von den unglaublichsten Saisongemüse-Geschichten begleitet, ein schön abgehangenes Dry-Aged-Beef und am Schluss Schoko flüssig mit Himbeeren. Wer will eigentlich teuer essen gehen? Vier Gänge kosten 27,80, drei 21,80 Euro. Hoffentlich bleibt Koch-Wandervogel Sowa hier einmal länger, zumindest so lange, bis wir die unglaublichen Raritäten vom Vorgänger, die noch im Keller lagern, ausgetrunken haben. Ich werde immer mehr zum 100-Prozent-Wiener.

Kontrapunkt, Wien 6, Windmühlgasse 20, Tel.: 01/58 64 888, Mi−Sa: 18−1 Uhr