Die Kreditzinsen steigen derzeit an. Mit Zinscaps kann man sich dagegen absichern, heißt es oft. Der Finanzierungsexperte Johann Massenbauer hält davon freilich wenig. Bauspardarlehen besser als Bankkredite.
Die Presse: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinswende eingeleitet. Die Kreditnehmer müssen bei variablen Darlehen mit steigenden Zinsen rechnen. Viele Experten empfehlen daher, die steigenden Kreditzinsen mit Zinscaps (siehe auch Artikel nebenan) abzusichern.
Johann Massenbauer: Ich empfehle solche Zinscaps, die die Zinsen nach oben begrenzen, nicht. Diese Instrumente gibt es für Privatkunden seit knapp zehn Jahren, und sie sind natürlich nicht gratis. Man muss sagen: Bis heute haben sie den Kunden nichts gebracht. Die Zinsen sind durch die Finanzkrise stark zurückgegangen, eine Absicherung hat daher nur Geld gekostet. In den vergangenen 30 Jahren hätte es nur eine Phase gegeben, in der die Zinsen so hoch waren, dass man von einem Zinscap etwas gehabt hätte. Und zwar zwischen 1989 und 1992. Der Euribor lag damals bei über neun Prozent.
Wir sehen aber, dass der Referenzzinssatz Euribor, an den viele variable Kredite gebunden sind, seit Monaten stark ansteigt.
Derzeit steht der Euribor (drei Monate) bei 1,4Prozent. In den nächsten zwei, drei Jahren wird er auf vier Prozent ansteigen. Höher glaube ich nicht, das würde die Wirtschaft nicht vertragen.
Nehmen wir an, der Euribor steigt auf vier Prozent. Da zahlt es sich wirklich nicht aus, einen Zinscap zu kaufen, der den Euribor bei 3,5Prozent absichert?
Ein Zinscap, der bei 3,5Prozent absichert, ist für die Kunden sehr teuer (die Kalkulationen nebenan zeigen, wann sich Zinscaps rechnen und wann nicht, Anm.). Man zahlt dabei nur brav ein. Im Grunde sind Zinscaps etwas, womit die Banken nur Geld verdienen.
Was empfehlen Sie als Alternative?
Für neue Kredite sind Bauspardarlehen besser als Bankkredite. Bei den Bausparkassen hat man aktuell zwar eine etwas höhere monatliche Belastung als beim normalen Bankkredit. Langfristig gibt es hier aber eine Zinsobergrenze über die ganze Laufzeit – ohne separate Kosten. Als Kreditnehmer kann man sich wohlfühlen, vor allem in diesem Umfeld. Je größer die Unsicherheiten sind, desto größer ist nämlich auch das Risiko, dass die Zinsen ausschlagen. Bei einem Bankkredit muss man sich den Zinsschutz extra zu teils sehr hohen Kosten dazukaufen. Es gibt aber einen anderen Nachteil bei Bausparkassen.
Welchen Nachteil?
Es wird schwieriger werden, an Bauspardarlehen zu kommen. Die Sparzinsen steigen nämlich an. Ab dem Zeitpunkt, an dem die Sparbücher der Banken mehr Zinsen bringen als Bausparverträge, werden die Bausparkassen geringere Kapitalzuwächse durch kleine Sparer haben. Indessen werden die Bauspardarlehen interessanter, wenn sie zinsmäßig billiger erscheinen als Bankdarlehen. Immer mehr Kunden wollen dann ein Bauspardarlehen. Außerdem stehen den Bausparkassen neue Eigenkapitalvorschriften ins Haus. Die Summe dieser Faktoren kann dazu führen, dass es längere Wartezeiten auf die Zuteilung gibt. Und der Höchstzinssatz von sechs Prozent bei Bauspardarlehen besteht nur dann, wenn man die Zuteilung bekommt. In solchen Phasen werden auch weniger Sofortfinanzierungen vergeben. Man sollte sich bei Bauspardarlehen also jetzt schon beeilen.
Ist es sinnvoll, bestehende Kredite in Bauspardarlehen umzuschichten?
Das hat nur Sinn, wenn die Restlaufzeit mehr als fünf Jahre beträgt. Sonst zahlt es sich nicht aus. Wenn man zur Bausparkasse geht, hat man ja auch einmalige Kosten am Anfang – und zwar von vier bis 4,5 Prozent der Kreditsumme. Diese Strategie ist also nur sinnvoll mit längeren Laufzeiten.
Gibt es Unterschiede bei den Bausparkassen?
Ich bevorzuge derzeit Wüstenrot, weil das hierzulande der unabhängigste Anbieter ist. Alle anderen sind Töchter von Banken. Bei einem relativ unabhängigen Anbieter fühle ich mich wohler – und die Konditionen sind verhandelbar.
Ganz allgemein: Die Banken verlangen natürlich gerne hohe Margen. Welche Margen betrachten Sie als vernünftig?
Bei der Bawag bekomme ich eine Marge von einem Prozent, wenn die Belehnungsquote nicht über 70 Prozent ist (wenn man ein Haus um 1.000.000 Euro kauft und man 300.000 Euro selber in cash hat, beträgt die Belehnung 70Prozent, Anm.). Das ist in Ordnung.
Auf einen Blick
Prof. Johann Massenbauer, ein renommierter Finanzierungsexperte. Er hat hierzulande ab 1993 Fremdwährungskredite für Privatkunden salonfähig gemacht. Er kritisierte dann allerdings stets, dass diese Kredite auch an schlechte Kunden vergeben wurden. [Kerschbaumer]
Was Sie beachten sollten bei... der Absicherung von Kreditzinsen
Tipp1
Wann gewinnt man? Zinscaps, mit denen man die Zinsbelastung begrenzt, verursachen Kosten. Sollte der Referenzzinsatz Euribor, an den viele Kredite gebunden sind, in den nächsten Jahren nur auf vier Prozent steigen, profitiert man mit Zinscaps nicht. Wenn der Euribor hingegen auf über fünf Prozent hinaufgeht, hat man mit der Absicherung profitiert.
Tipp2
Kosten. Wer nun auf Zinscaps setzt, sollte die Kosten niedrig halten. Man muss Zinscaps nicht bei der Bank kaufen, bei der auch der Kredit läuft. Diese Zinsabsicherung kann man bei jeder Bank kaufen. Man kann die billigste auswählen. Man sollte zudem schon jetzt zuschlagen, Zinscaps werden demnächst wegen der steigenden Zinsen teurer.
Tipp3
Bauspardarlehen. Wer mit weniger stark steigenden Zinsen rechnet – wie etwa Johann Massenbauer –, könnte seinen Kredit in ein Bauspardarlehen umschichten. Laut Massenbauer sollte es hier aber eine Restlaufzeit von mindestens fünf Jahren geben. Es fallen beim Bauspardarlehen nämlich einmalige Kosten in der Höhe von vier Prozent der Kreditsumme an.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2011)