Damit sich ein Zinscap lohnt, müssten die Marktzinsen schon sehr stark ansteigen, wie zwei Szenarien verdeutlichen.
Wien. Eines ist klar: So billig wie jetzt werden die Kredite nicht bleiben. Ein Beispiel: ein endfälliger 100.000-Euro-Kredit, der an den Drei-Monats-Euribor (steht derzeit bei 1,4Prozent) gebunden ist und eine Marge von 2,5Prozent hat. Die monatliche Belastung dieses Darlehens liegt derzeit bei 331 Euro.
• Sollte der Euribor in zwei Jahren auf maximal vier Prozent steigen, würde sich die monatliche Belastung auf knapp 550 Euro erhöhen. Die gesamte Belastung für acht Jahre beträgt dann 47.544 Euro (in der Annahme, dass der Euribor in den nächsten zwei Jahren bei 1,4Prozent und die folgenden sechs Jahre bei vier Prozent liegt). Kauft sich der Kreditnehmer einen Zinscap mit einer Laufzeit von acht Jahren, der den Euribor-Zinssatz bei 3,5Prozent absichert, müsste der Kreditnehmer in diesen acht Jahren nur 44.448 Euro zahlen. Damit erspart er sich 3096 Euro.
Aber: Der Zinscap kostet ihn etwa bei der Erste Bank (Isin: AT0000A0NX01) 8050 Euro. Fazit: Die Zinsabsicherung hat sich in diesem Fall nicht ausgezahlt. Außer Spesen nichts gewesen, könnte man hier sagen.
• Sollte der Euribor in zwei Jahren auf 5,5Prozent ansteigen, würde die monatliche Belastung für den Kreditnehmer nicht, wie aktuell, bei 331 Euro liegen, sondern bei 676 Euro. Für die nächsten acht Jahre müsste er dann 56.616 Euro zahlen. Zieht er nun den gleichen Zinscap wie vorher ein, der den Euribor für acht Jahre bei 3,5Prozent deckelt, beträgt die Belastung nur 44.448 (wenn man wieder annimmt, dass der Euribor für zwei Jahre bei 1,4Prozent liegt und dann acht Jahre lang bei fünf Prozent).
Mit diesem Zinscap erspart man sich dann 12.168 Euro. Fazit: Der Zinscap, der den Kreditnehmer 8050 Euro gekostet hat, hätte sich in diesem Fall ausgezahlt.
• Ein Zinscap würde sich also nicht auszahlen, wenn der Euribor auf maximal vier Prozent stiege. Sie sind nur dann geeignet, wenn die Kreditnehmer schon sehr hohe Zinsanstiege befürchten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2011)