Die letzte Generation des Golf Cabrio kam vor fast zwei Jahrzehnten auf den Markt. Mit den Tugenden des Marktführers und voller Ganzjahrestauglichkeit will der neue offene Golf das Feld aufrollen.
Die Zeiten, da Cabrios Überrollbügel trugen, Henkel also, die zu Namen wie „Erdbeerkörbchen“ führten – das erste Golf Cabrio von 1979 wurde gern so genannt –, hat gewissermaßen die Technik beendet. Die Designer können längst Cabrios ohne fixen Bügel zeichnen, da die Schutzwirkung bei einem Überschlag von versenkten, im Ernstfall blitzartig hervorschießenden Bügeln gewährleistet wird.
Die Technik war für das letzte Golf Cabrio (ab 1993) noch zu teuer, nicht aber für die neue Generation, die ab Juli bei den Händlern steht. VW erwartet sich nicht weniger als die Marktführerschaft bei den kompakten Offenen, die momentan der Peugeot 308 innehat.
Zum einen setzt man dabei auf die Anziehungskraft der Bestsellers Golf, der zwei Generationen ohne offene Alternative auskommen musste. Der Eos mit seinem aufwendigen Stahlfaltdach vermochte die Lücke nicht zu füllen.
Zum andern entbietet das neue Cabrio einen freundlichen Einstiegspreis (ab 24.990 Euro mit 105-PS-Benziner) und den Hinweis auf Ganzjahrestauglichkeit. Das klassische Stoffverdeck, baugleich vom Audi A3 Cabrio übernommen, bietet eine bemerkenswerte akustische Isolierung, wie erste Autobahnkilometer ergaben, und es neigt bei hohem Tempo nicht dazu, sich aufzublähen und so die Aerodynamik zu stören.
Selbst offen ist die Verständigung im Cockpit mühelos, die Verwirbelung wird selten dramatischer als eine angenehme Windbö. Die flacher gestellte und kurze, nicht bis an den Scheitel ragende Windschutzscheibe lässt dennoch ausreichend Cabrio-Feeling aufkommen. Der 250 Liter große Kofferraum wird vom rasch öffnenden (neun Sekunden) und schließenden (elf Sekunden) Dach nicht behelligt, er lässt sich durch eine breite Durchreiche zu den umlegbaren Rücksitzen noch erweitern. Allerdings ist der Heckzugang knapp und für Sperriges ungeeignet.
In Fahrt fiel uns die hohe Steifigkeit der Karosserie auf, die laut VW über jener des A3 Cabrio liegt. Im Anfühlen und in der Bedienung ist der offene Golf vor allem eines: ein Golf. Neben 105 PS gibt es zunächst 160 Benzin-PS (7-Gang-DSG optional) und 140 TDI-PS.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2011)