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Sprachspaltereien

Sexy? Schlapp!

„So sexy war Gemüse noch nie“, schwärmt eine Illustrierte. Tja, die sprachliche Manifestation von Frühlingsgefühlen wirkt manchmal etwas überschießend. Auf meinem Kontrollgang durch die entsprechenden Läden sah ich dann nur das übliche Gemüse, unsexy wie eh und je, manches sogar schlapp. Der interessanteste Fund: „vorwiegend festkochende Kartoffeln“. Man kennt ja die verschiedenen Sorten. Aber was fängt der Koch mit „vorwiegend festkochend“ an? Das Prädikat „vorwiegend festkochend“ würde ich allenfalls mir selber verleihen: In meinem Haushalt wird vorwiegend dann gekocht, wenn ein Fest ansteht. Ansonsten ist Schmalhans Küchenmeister.

Die Österreicherin XY „hat der Queen schon einmal mitten ins Gesicht fotografiert – und ist dennoch kein Fan royaler Großereignisse“. Dies war vergangene Woche, anlässlich der Hochzeit von William und Kate, aus einer Agenturmeldung zu erfahren. Klingt ziemlich brutal: mitten ins Gesicht fotografiert! So erklärt sich, warum man von einem Foto-Shooting spricht. Auch der vermeintlich direkte Zusammenhang von Fotografieren und Fan-Sein ist nicht wirklich einleuchtend. Ein Pressefotograf etwa, der schon einmal einen Autounfall aus nächster Nähe aufgenommen hat, ist deshalb noch lange kein Fan solcher Ereignisse.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2011)