Wovon Frauen (angeblich) träumen

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Wer fürchtet sich vor dem Muttertag? Mütter, Kinder, Kellner – oder Väter?

Mein Samstag? Mein? Eher müsste der Kolumnenkopf wohl Unser Samstag lauten, den Autor und Leser zumindest für ein paar Minuten miteinander teilen. Aber auch diese Bezeichnung wäre nur fast richtig. Man darf als bekannt voraussetzen, dass das, was in Mein Montag ff. drinnen ist, meist relativ wenig mit dem zu tun hat, was draufsteht. Es gibt tatsächlich Schlimmeres. Wir wollen uns diesmal eher dem Sonntag widmen. Ist einfach der interessantere Tag. Muttertag also.

Interessant beispielsweise, was Onlinehändler Amazon ungefragt als „Geschenkideen zum Muttertag“ so sendet: Töpfe und Pfannen bis -50 %, beutellose Staubsauger gar bis -53 %. Wer fürchtet sich da nicht vor dem Muttertag. Wie überhaupt die jahrhundertelang unbewährten Rollenbilder selbst bei Jüngeren nicht ganz verblasst sind. Wie neulich beim Recherchieren für den Kauf einer Waschmaschine in dem einen der zwei einschlägigen Häuser beim Kontakt mit einem der zwei Angestellten erlebt. Da meinte der Verkäufer als Abschluss seiner Lobpreisungen über das im Umkreis von 1000 Kilometern teuerste Gerät zu seinem männlichen Visavis: „Der Traum jeder Hausfrau!“ Hat er verborgen geglaubte weibliche Seiten des potenziellen Kunden erkannt? Hat er ihn für einen Migranten gehalten, dessen Ehefrau unter Hausarrest gestellt ist? Sprengt es seine Vorstellungskraft, dass theoretisch auch Männer fähig und willens sein könnten, Wäsche in einen Automaten zu stopfen, diesen zu programmieren, nach zwei, drei Stunden auszuschalten und die Wäsche wieder herauszuzerren? Wir wissen es nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung.

E-Mails an: dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2011)

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