Let's make money: Striktes Money Management

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Warum Silber derzeit nur hartgesottenen "Spielern" zu empfehlen und striktes Money Management das Gebot der Stunde ist.

Die Nervosität unter Anlegern nimmt offenbar enorm zu, wie die Rohstoff-Abstürze in der vergangenen Woche gezeigt haben. Das zeigt sich auch auf dem Aktienmarkt, wo die Ausschläge wilder werden. Ganz unbegründet ist das Nervenflattern nicht: Es gibt eine Menge Anzeichen dafür, dass die Party vorerst einmal im Auslaufen ist.

Das zuletzt oft gehörte Argument, dass Aktien gemessen am Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) immer noch „billig“ oder „günstig“ seien, ist jedenfalls keines: Das KGV ist in normalen Zeiten ein recht brauchbarer Indikator für die Einschätzung von Märkten oder Einzelwerten, wir haben derzeit aber keine „normalen“ Zeiten. In den USA und Europa wuchert eine Staatsschuldenkrise, die mehrere Länder in Umschuldungsgefahr bringt, die US-Konjunktur ist nicht das, was man erhofft (und in die Aktienkurse eingepreist) hatte, die Inflation gerät ein bisschen außer Kontrolle.

In einer derartigen Lage kann man sehr schnell sehr böse Überraschungen erleben. Da kommt es darauf an, aus angesammelten Gewinnen nicht wieder Verluste werden zu lassen. Und, wenn es doch passiert ist, Verluste strikt zu begrenzen. Denn nichts ist schwerer aufzuholen als ein größerer Verlust. Dafür sorgen schon die Tücken der Prozentrechnung: Um einen Kursverlust von 50 Prozent zu kompensieren, braucht man einen Kursanstieg um 100 Prozent.

Man vertraut jetzt also nicht alten Börseweisheiten oder traditionellen Kennziffern, sondern striktem Money-Management. So, wie es auch die Profis handhaben. Das heißt, man begrenzt schon beim Einstieg den akzeptablen Verlust sehr knapp und zieht die Schwelle, ab der man rigoros verkauft, nach oben mit. Lieber einmal zu oft verkauft, als auf einem hohen Verlustberg zu sitzen.

Wie man beim Silberpreis in der abgelaufenen Woche gesehen hat, können Abstürze in überkauften Märkten sehr dramatisch ausfallen, wenn zu viele Spekulanten gleichzeitig kalte Füße bekommen. Money Management Strategien, mit denen man auf der sicheren Seite ist, werden in der kommenden Woche auf der „Mein Geld“-Seite der „Presse“ vorgestellt.

Apropos Silber: Kann man da nach dem Absturz um mehr als 30 Prozent und der Stabilisierung am Freitag schon wieder zugreifen? Ich würde das vorerst nur sehr hart gesottenen Anlegern mit ein bisschen „Spielgeld“ empfehlen. Nach dem beispiellosen Absturz der vergangenen Woche ist zwar eine technische Gegenreaktion, die durchaus scharf sein kann, nicht unwahrscheinlich. Die kann man beispielsweise mit einem Call-Optionsschein oder einem Zertifikat schön „ausreiten“. Grundsätzlich hat sich an den Rahmenbedingungen am Silbermarkt aber nichts geändert. Das heißt, es kann nach einer technischen Gegenreaktion durchaus noch nach unten gehen. Wie weit, lässt sich in derart aggressiven Märkten nicht sagen. Beim letzten Silbercrash im Jahr 1980 ging die Reise von 50 auf bis zu 15 Dollar in die Tiefe.

Betrachtet man den längerfristigen Silberchart, dann sieht man praktisch mit freiem Auge, dass der Silbercrash kein Crash, sondern eine Normalisierung war. Da ist Luft aus der Blase gelassen worden. Und der Preis ist jetzt ungefähr dort, wo er charttechnisch eigentlich sein sollte. Die 50 Dollar werden wir also wohl nicht so schnell wiedersehen. Weshalb auch die Anlage in physischem Silber, die mit 20 Prozent Mehrwertsteuer belastet ist, derzeit für Neueinsteiger noch nicht so viel Sinn ergibt.

Auf dem Aktienmarkt sollte man jetzt wirklich nur sehr selektiv und unter strikter Verlustbegrenzung Neuengagements tätigen. Angeboten haben sich zuletzt dafür unter anderem ThyssenKrupp(ISIN DE0007500001) und Lufthansa(ISIN DE0008232125) in Deutschland sowie Andritz(ISIN AT0000730007) in Österreich. ThyssenKrupp (Kursziel 50, derzeitiger Kurs rund 32) ist gerade dabei, durch Verkäufe von Unternehmensteilen seine Schuldenposition deutlich zu verbessern, was den Börsianern offenbar gefällt. Die Lufthansa (Kursziel 21, derzeitiger Kurs rund 15) hat nach ihren Quartalszahlen Aufwind bekommen. Andritz (Kursziel 81, derzeit knapp 71), einer der permanenten Börsestars in Wien, ist nach Zahlen ebenfalls stark unterwegs. Allerdings: Der starke Kursauftrieb am Freitag (besonders bei ThyssenKrupp) hat diese positiven Meldungen jetzt eingepreist. Ein Teil des erwarteten Anstiegs ist also bereits „gegessen“.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2011)

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