Das endlich wieder reichhaltige Musikprogramm reicht vom Mahler-Gedenken bis zum Vorgriff auf das Verdi-Gedenkjahr 2013.
Kein Wort mehr davon, dass die Wiener Festwochen über Jahre hin eigene Manager beschäftigt haben, die sich um das Musikprogramm kümmern sollten – bei höchst mageren Ergebnissen. 2011, in jenem Jahr, als offenbar wurde, dass man für künftige Zeiten einen Festwochen-Chef zu installieren gedenkt, der wirklich etwas von Musik versteht, können sich Musikfreunde auch über das aktuelle, von der alten Führung kuratierte Programm nicht beschweren.
Die Musiktheater-Ankündigungen sind jedenfalls üppiger ausgelegt als gewohnt. Man beginnt mit einem bis zum Jubiläumsjahr 2013 geplanten Verdi-Zyklus. In Koproduktion mit der Mailänder Scala und der New Yorker Met gibt es zum Start „Rigoletto“. Die beiden anderen Werke der in Verdis Œuvre zentralen Trias, „La Traviata“ und der „Troubadour“, folgen in den kommenden Spielzeiten.
Am Dirigentenpult im Theater an der Wien wird mit Omer Meir Wellber einer der Senkrechtstarter im Musik-Business unserer Tage stehen: Er wurde eben von der Zeitschrift „Gramophone“ zu einem der Hoffnungsträger der jungen Generation gekürt, wird von Daniel Barenboim gefördert und wurde in Valencia trotz seines jugendlichen Alters bereits der Nachfolger Lorin Maazels als Leiter des neuen Opernhauses. Die Titelpartie singt mit George Gagnidze ein junger Bariton, der ebenfalls enorme Vorschusslorbeeren erhielt.
„Wüstenbuch“, eine Novität aus der Feder von Beat Furrer, inszeniert von Christoph Marthaler, ist der zeitgenössische Beitrag zu den Festwochen 2011 – auch hier sollen 2012 und 2013 Folgeprojekte realisiert werden: Werke von Luca Francesconi (nach Heiner Müller) und George Benjamin sind geplant.
Auf dem Karlsplatz zeigt man heuer zur Ergänzung unter freiem Himmel das Werk eines führenden Meisters der Nachkriegsavantgarde, „Oresteia“ von Iannis Xenakis. Und weil die Stadt Wien Wert darauf legt, Neue Musik wirklich unters Volk zu bringen, musiziert das RSO Wien unter der Leitung seines Chefdirigenten, Cornelius Meister – im Shoppincenter Nord –, Musik, die eigens dafür komponiert wurde: Bernhard Gander schuf ein Stück, und man darf gespannt sein, wie die unvorbereiteten Wiener auf diese Herausforderung reagieren werden.
Das eigentliche „Musikfest“, einst Wurzel des Wiener-Festwochen-Gedankens, wird heuer – weil ein ungerades Jahr ist – von der Konzerthausgesellschaft programmiert und soll daran erinnern, dass 2011 das zweite Gustav-Mahler-Gedenkjahr in Folge ist: „Mahler und Amerika“ heißt das Motto, das Bernhard Kerres gewählt hat, Orchester aus Bamberg, Wien und den USA (San Francisco Symphony) widmen sich Symphonien des Jahresregenten und schaffen Querbezüge zu Mahlers Wirkungsstätten jenseits des Ozeans.
Auch das Liedschaffen des Komponisten wird beleuchtet – zum Teil aus ungewöhnlichen Blickwinkeln (neben Sängerstars wie Ian Bostridge ist auch das Ensemble Franui mit von der Partie). Ein Symposion ergänzt das Konzerthaus-Festival im Festival.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2011)