Die Lehre aus dem Muttertag: Wenn Ihre Mama sagt, sie will kein Geschenk, kaufen Sie eines. Mindestens.
Ich solle ja nicht auf die Idee kommen, ihr etwas zu kaufen. Reine Geschäftemacherei sei dieser Muttertag, und überhaupt habe sie schon alles. So spricht meine Mutter seit Jahrzehnten, Sie kennen das sicher, weil Ihre Mutter vermutlich seit Jahren das Gleiche sagt oder Sie selbst so eine Mutter sind. Selbstredend hat meine Mutter jedes Jahr etwas bekommen. Aber heuer habe ich ihr wirklich nichts geschenkt. Eine schlechte Idee. Nicht nur, dass ich kein Geschenk für sie hatte, siehatte doch tatsächlich eines für mich! Wer sagt denn, meinte sie, dass nicht auch die Mutter der Tochter... (Dass ihr Geschenk, eine riesige Plastikente, eigentlich eh fürs Enkelkind gedacht war, macht alles nur unmerklich weniger schlimm.) Und wieder einmal danke ich meiner Mutter für eine Erkenntnis: Sagt jemand, er will kein Geschenk, kaufen Sie ihm eines. Mindestens.
Noch dankbarer bin ich meiner Mutter aber für die Erfindung des weltbesten Drohszenarios für Kinder. Straften andere Eltern ihren Nachwuchs mit Fernseh- oder Naschverbot, drohte meine Mutter mit der „Kinderumtauschzentrale“. Dort, erzählte sie, brauche man nur anzurufen (was sie auch tat, bis ich verzweifelt Besserung gelobte), schon könne man sein schlimmes Kind abgeben und ein braves mit nach Hause nehmen. In meiner Fantasie hatte diese Kinderumtauschzentrale auch einen Standort (in der Grazer Sporgasse), und natürlich gab ich mein Wissen weiter. Eine ganze Kindergartengruppe in Graz St.Paul war alarmiert. Und keine Frage, auch ich werde die Kinderumtauschzentrale einmal brauchen. Wenn das Kind schlimm ist. Oder mir jemals etwas zum Muttertag schenken will.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2011)