Die Bank of America will den Bestand an Problemhypotheken halbieren und signalisiert mit dem Strategiewechsel, dass sie mit neuen Verwerfungen am Immobilienmarkt rechnet.
London/New York - Die Bank of America (BoA) zieht im Geschäft mit Immobilienkrediten die Notbremse und will ihren 850 Milliarden Dollar (590 Milliarden Euro) schweren Bestand an Problemhypotheken binnen drei Jahren halbieren. Dabei wollte die Bank die Hypotheken teils auslaufen lassen oder aber mit einem Abschlag verkaufen.
Mit dem Strategiewechsel signalisiert die Großbank, dass sie mit neuen Verwerfungen am Immobilienmarkt in den USA rechne und nicht an eine Erholung der Marktes und damit an eine Besserung der Zahlungsmoral bei problematischen Schuldnern glaube.
Als sich die Finanzkrise im Sommer 2008 schon zuspitzte, kaufte sie für einen symbolischen Preis von seinerzeit 4 Mrd. Dollar den in Schieflage geratenen und damals noch größten US-Immobilienfinanzierer Countrywide. Dieser zählte in den Jahren vor der Krise zu den größten Verkäufern von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren (Collateralized Debt Obligations, CDOs). CDOs gelten als Mitauslöser der Finanzkrise, die nach dem Zusammenbruch des Häusermarktes in den USA ins Rollen kam. Entsprechend entwickelte sich das Countrywide-Engagement zum Desaster für das Institut. Allein im ersten Quartal des laufenden Jahres weitete die Bank laut Mitte April veröffentlichten Zahlen bei fallenden Einnahmen und steigenden Kosten den Verlust im Hypothekengeschäft auf 2,4 Mrd. Dollar nach 2,1 Mrd. Dollar Verlust vor Jahresfrist aus. Nach eigenen Angaben hält das Institut rund ein Siebentel des gesamten problematischen Hypothekenportfolios von 850 Mrd. Dollar selbst - den Rest hat die Bank verbrieft oder tritt selbst nur als Dienstleister auf, der Zinsen und Tilgung einstreicht. Allerdings seien derzeit rund 40 Prozent der problematischen Kunden mit mindestens drei Monaten im Zahlungsverzug.