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Patagonien: Staudamm-Projekt bedroht Naturschutzgebiet

Blick auf das Naturschutzgebiet in der chilenischen Region Aysen.
(c) AP (Jorge Uzon)
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Die regionale Umweltkommission genehmigte den Bau von fünf Staudämmen in der Region Aysén. Umweltschützer laufen Sturm gegen die Pläne.

Der Bau von fünf umstrittenen Staudämmen im chilenischen Teil Patagoniens, einem der weltweit größten Naturschutzgebiete, rückt näher. Eine regionale Umweltkommission genehmigte am Montag (Ortszeit) nach dreijährigen Prüfungen das Projekt des chilenisch-spanischen Konsortiums Endesa-Colbún namens Hydroaysén. Mit einer Leistung von 2750 Megawatt sollen die Wasserwerke an den Flüssen Baker und Pascua in zwei Tälern der Region Aysén dazu beitragen, Chiles Energiebedarf zu decken.

Dieser wird amtlichen Schätzungen zufolge bis 2025 um 80 Prozent steigen. Die Investitionen in das Staudamm-Projekt belaufen sich auf umgerechnet 2,2 Milliarden Euro. Für den Transfer der Elektrizität in den Norden des Landes ist der Bau eines 2000 Kilometer langen und bis zu 2,8 Milliarden Euro teuren Netzes aus Leitungen, Kabeln und Masten erforderlich. Dafür bedarf es eines gesonderten Genehmigungsverfahrens, das sich ebenfalls in die Länge ziehen dürfte.

Umweltschützer laufen Sturm gegen die Pläne. Sie verweisen unter anderem darauf, dass eine 5900 Hektar große Fläche geflutet werden müsste und so eine einzigartige Landschaft zerstört würde. Chile soll ihrer Auffassung nach lieber auf Solar- und Windenergie setzen. Die Koalition "Patagonien ohne Staudämme" - ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen und anderen Gegnern von Hydroaysén - kündigte über ihren Sekretär Patricio Rodríguez einen juristischen Kleinkrieg gegen das Projekt an. "Für einige ist es das große Geschäft, für andere der Ruin", sagte Rodríguez. Das Ende des ökologischen Tourismus, der nach Angaben der Koalition jährlich gut 50 Millionen Euro einbringt, sei absehbar.

Vor dem Gebäude im südchilenischen Coyhaique, wo die Umweltkommission tagte, protestierten zahlreiche Gegner des Projekts. Einige warfen Steine. Proteste gab es auch in der Hauptstadt Santiago, wo die Polizei einen Wasserwerfer gegen die Demonstranten einsetzte, und in anderen Städten des Landes. Insgesamt 30 Menschen wurden festgenommen.

Die Regierung begrüßte das Votum der Kommission und erklärte, die Umweltauflagen würden strikt beachtet. Staatspräsident Sebastián Piñera vertrat die Ansicht, ohne Wasserkraftwerke werde es mehr Kohlekraftwerke geben - und die seien weit umweltschädlicher.

Die sich an der Südspitze des amerikanischen Kontinents erstreckende Region Patagonien, die sowohl zu Chile als auch zu Argentinien gehört, ist mit ihren Wäldern, Steppen, Seen und Gletschern eine von Naturliebhabern aus aller Welt geschätzte Region. Laut einer Umfrage vom April lehnen 61 Prozent der Chilenen die Aysén-Staudämme ab.

(Ag.)