Microsoft leistet sich die Marke Skype

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Genau 8,5 Mrd. Dollar bezahlt Microsoft für Skype, das Doppelte des zuletzt geschätzten Werts. Der Internet-Telefonie-Dienst kommt mit roten Zahlen, aber gutem Namen nach Redmond.

Redmond/Wien. Am frühen Dienstagnachmittag beendete Microsoft alle Spekulationen: Ja, der amerikanische Konzern werde den Internet-Telefonie-Dienst Skype kaufen. Ja, auch die seit dem frühen Morgen kolportierte Summe von 8,5 Mrd. Dollar (5,9 Mrd. Euro) in bar stimme. Damit holt Microsoft-Chef Steve Ballmer nicht nur zum teuersten Zukauf in der Geschichte des Riesen aus Redmond aus. Microsoft bezahlt auch mehr als den doppelten Preis, auf den Skype bisher geschätzt wurde.

Das wirft die Frage auf: Was verspricht sich Microsoft von diesem teuren Deal? Eines vorneweg: Die Rettung der strauchelnden Onlinesparte des Konzerns wird mit diesem Griff nicht so rasch gelingen. Denn Skype kommt mit tiefroten Zahlen im Gepäck nach Redmond. Ausgezogen, um die großen Telekomkonzerne mit billiger Telefonie über das Internet das Fürchten zu lehren, hat Skype bis heute Probleme damit, ein profitables Geschäft aufzubauen. Der Dienst ist zwar populär, bezahlen wollen die meisten Kunden dafür aber lieber nicht.

Im Vorjahr verbuchte Skype rund sieben Mio. Dollar Verlust. Dazu kommen noch Schulden von rund 686 Mio. Dollar. Für einen Koloss wie Microsoft sind das freilich nur Peanuts. Schließlich setzte allein die Onlinesparte des Konzerns in den ersten drei Monaten des heurigen Jahres etwa die gleiche Summe in den Sand. Microsofts Kriegskasse ist mit 50 Mrd. Dollar prall gefüllt.

Konter gegen Apples FaceTime

Wir lernen: Geld ist nicht alles. Ist Skype stattdessen ein Baustein in Microsofts Strategie, endlich den Anschluss am Markt für mobiles Internet zu gewinnen? Dort wartet mit Apples iPhone und Googles Android-Betriebssystem harte Konkurrenz. Videotelefonie, wie Skype sie anbietet, wird mit dem anhaltenden Trend hin zu Smartphones und Tablet-Computern immer beliebter. Da der Hauptkonkurrent Apple mit FaceTime schon einen vergleichbaren Dienst auf seinen Geräten verfügbar hat, war es höchste Zeit für Microsoft, hier zu kontern. Erst im Jänner hatte Skype den Kauf der kalifornischen Firma Qik angekündigt. Das Start-up stellt ein Programm her, mit dem Smartphone-Nutzer ihre Videos in Echtzeit weiterleiten können. Dennoch bleibt fraglich, ob Skype die beste Variante war. Denn die Mitbewerber des 2003 gegründeten Unternehmens stehen dem einstigen Pionier in technischer Hinsicht um nichts mehr nach – und wären wesentlich billiger zu haben gewesen.

Dennoch könnte sich der Kauf für Microsoft letztlich auszahlen. Denn Skype hat vor allem eines: einen guten Namen. Gegründet von Niklas Zennstrom und Janus Friis, den beiden Schweden, die schon den Filesharing-Dienst KaZaa erfunden hatten, flogen Skype von Anfang an die Herzen vieler Internetnutzer zu. Heute verbindet das Unternehmen rund 663 Millionen Menschen weltweit. Sie telefonieren nicht nur von Computer zu Computer, auch internationale Telefonate auf Festnetzanschlüsse sind über Skype verhältnismäßig billig. Im Vorjahr will Skype ein Viertel aller Gespräche über Ländergrenzen hinweg abgewickelt haben. 40 Prozent seien Videotelefonate.

Microsoft will Skypes Popularität

Es ist Skypes Popularität, die Microsoft für sich nutzen möchte, weit über die Grenzen der eigenen Stammkundschaft hinaus. Denn Skype ist nicht nur bei Windows-Nutzern beliebt, sondern auch bei Apple- oder Linux-Anhängern. Selbst Apples iPhones und Googles Android-Geräte bieten ihren Nutzern Skype-Apps an.

Anders als das Internetauktionshaus Ebay, das Skype 2005 um 2,6 Mrd. Dollar von den beiden Gründern kaufte, kann Microsoft also tatsächlich etwas mit dem Unternehmen anfangen. Ebay vermochte Skype nie in sein Geschäftsmodell zu integrieren und hatte es entsprechend eilig, den Verlustbringer wieder aus den Büchern zu haben. 2009 verkaufte es 70 Prozent an zwei Investorengruppen. Damals wurde das Unternehmen mit 2,75 Mrd. Dollar bewertet – fast sechs Mrd. weniger, als Microsoft nun zu zahlen bereit ist.

Der Konzern kann nur hoffen, dass die Symbiose mit der Marke Skype gut gelingt und Tage wie jener Dienstag im August 2007 der Vergangenheit angehören: Damals hatten so viele Skype-Nutzer nach einem Sicherheitsupdate von Microsoft ihre Rechner neu gestartet, dass Skype 36 Stunden lang vom Netz gehen musste.

Chronologie

Skype wurde 2003 von den Schweden Niklas Zennstrom und Janus Friis gegründet, die es 2005 um 2,6 Mrd. Dollar an Ebay verkauften. Nur vier Jahre später reichte das Auktionshaus die Firma fast zum gleichen Preis weiter.

Microsoft zahlt 8,5 Mrd. Dollar und hofft, mit dem Kauf auf dem mobilen Internetmarkt Tritt zu fassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2011)

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