Steigende Zinsen – was tun?

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Mit "Zinscaps" kann man die Kreditzinsen begrenzen. Das hört sich zunächst einmal gut an. In der Praxis zahlen die Kreditnehmer aber drauf. Zumindest bei endfälligen Darlehen.

[Wien] Kreditnehmer müssen sich in den nächsten Monaten auf deutlich steigende Zinsen einstellen. Weniger, weil die Banken so böse sind. Sondern weil die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzinssatz weiter anheben wird. Dadurch steigen auch die Zinsen auf dem Geldmarkt, auf dem die Bankinstitute einander Geld leihen. An diese Geldmarktzinsen wiederum sind viele variable Darlehen gebunden. Vor steigenden Zinsen kann man sich aber absichern. Viele Berater empfehlen ihren Kunden reflexartig sogenannte Zinscaps. Ein Instrument, mit dem sich die Zinsbelastung begrenzen lässt.

Absicherung als Verlustgeschäft

Zinscaps kann man bei jeder Bank kaufen, auch wenn das Darlehen bei einem anderen Institut läuft. Somit können sich Schuldner jene Anbieter aussuchen, die die niedrigsten Kosten verrechnen (siehe Grafik). Und die Kunden können sich jenes Produkt aussuchen, das am besten zu ihren Vorstellungen passt. Die wichtigen Merkmale von Zinscaps ist der Zinssatz, den man begrenzen will, sowie die Laufzeit.

So weit hört sich ein derartiger Zinsschutz ganz gut an. Die Praxis sieht allerdings etwas anders aus. Zinscaps sind nämlich ziemlich teuer. Ein Beispiel: Ein Kreditnehmer hat einen endfälligen Kredit über 100.000 Euro, der an den Verlauf des Drei-Monats-Euribor (der zurzeit bei 1,4 Prozent liegt) gebunden ist. Rechnet man eine Marge von zwei Prozent dazu, liegt die monatliche Belastung derzeit bei 290 Euro.


► Es wird angenommen, dass der Euribor in diesem Jahr bei 1,4 Prozent bleibt. Im nächsten Jahr liegt er bei 2,5 Prozent und in den folgenden acht Jahren bei vier Prozent. Die Belastung für den Kreditnehmer beträgt in den nächsten zehn Jahren 56.000 Euro. Kauft man sich dagegen einen Zinscap, der den Euribor auf 3,5 Prozent begrenzt, liegt die Belastung bei nur 52.600 Euro. Der Kreditnehmer hätte sich schlussendlich durch den Zinscap 3400 Euro an Zinsen erspart. In dieser Kalkulation ist aber die Prämie für den Zinscap noch nicht berücksichtigt.
Bei der Raiffeisen kostet der entsprechende Zinscap 8000 Euro. Man hat also 8000 Euro aufgewendet und sich danach nur 3400 Euro an Zinsen erspart. Man liegt mit 4600 Euro im Minus.


► Wie sieht die Sache in einem drastischeren Szenario aus? Der Euribor steigt auf fünf Prozent. Die Belastung für den Kreditnehmer liegt in den nächsten zehn Jahren bei 64.800 Euro. Mit einem Zinscap, der den Euribor auf 3,5 Prozent deckelt, beträgt die Belastung nur 52.600 Euro. Man erspart sich 12.200 Euro, der Zinscap kostet dagegen 8000 Euro. Der Kreditnehmer liegt mit 4200 Euro im Plus.

Quelle: Unternehmensdaten; Grafik: Die Presse

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2011)

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