Fabio Luisis langsame Übernahme der Metropolitan

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Der Maestro ist auf dem besten Wege, musikalischer Leiter des New Yorker Opernhauses zu werden. James Levine hat sich krankheitsbedingt von seinem Posten als Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra zurückgezogen.

Der nächste Chefdirigent der New Yorker Metropolitan Opera wird Fabio Luisi heißen. Daran hegen Kommentatoren in den USA, voran jene der „New York Times“, keinen Zweifel mehr. Peter Gelb, Direktor des wichtigsten amerikanischen Opernhauses, hält sich freilich noch bedeckt. James Levine hat sich krankheitsbedingt von seinem Posten als Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra zurückgezogen und hat an der Met, die er jahrzehntelang als musikalischer Leiter dominierte, zuletzt häufig abgesagt. Doch hat er noch nicht erkennen lassen, dass er sich von seiner Position zurückziehen will. Eine Ernennung zum „Ehrendirigenten“ wäre denkbar.

Nun musste Levine die Leitung der Fernosttournee der Met abgeben, die seit Langem für Juni dieses Jahres geplant war. Der Einspringer heißt erwartungsgemäß Luisi.

Peter Gelb hat den Maestro nach etlichen Erfolgen mit Premieren und Neueinstudierungen 2010 zum Prinicipal Guest Conductor der Metropolitan Opera gemacht. Seither war Luisi stets zur Stelle, wenn es darum ging, Levine kurzfristig zu ersetzen. Zuletzt anlässlich der Premiere von Wagners „Rheingold“, weshalb Luisi, der ja auch Chefdirigent der Wiener Symphoniker ist, die Aufführung von Mahlers „Auferstehungssymphonie“ mit seinem Wiener Orchester abgeben musste.

Wieder Absage in Wien

Nun hat Levine zwar die neue „Walküre“ selbst dirigieren können. Doch das Konzert mit Natalie Dessay am kommenden Sonntag und die Mitwirkung an der Japan-Reise musste er absagen. Luisi, gerade für Aufführungen von Verdis „Rigoletto“ und Strauss' „Ariadne auf Naxos“ in New York, übernimmt. In Japan wird Luisi mit dem Met-Ensemble „La Bohème“ und „Don Carlos“ aufführen.

Erneut müssen die Symphoniker daher eine Absage ihres Chefdirigenten zur Kenntnis nehmen. Erneut geht es um Mahler, diesmal um die Dritte Symphonie, die im Konzerthaus im Rahmen des Musikfestes avisiert ist.

Das Orchester erkennt immerhin die Bedeutung von Luisis New Yorker Verpflichtung an und hat Verständnis signalisiert. Es wird ihn auch für die Zeit der kurzen Spanien-Tour, die für Ende Mai geplant ist, freigeben.

Hier geht es um Güterabwägung. Zwar sind die Wiener Absagen des Chefdirigenten schmerzlich, doch sollen die Symphoniker im kommenden Herbst ja zu einer ausgiebigen USA-Tournee aufbrechen. Und Luisis derzeitige Schlagzeilen-Position aufgrund seines Met-Engagements sichert dieser wichtigen Reise jedenfalls enorme Publicity.

Wer wird Symphoniker-Chef?

Für die Wiener Kulturpolitik heißt es nun freilich, eine Entscheidung über die Zukunft der Wiener Symphoniker verhältnismäßig rasch zu treffen. Es gilt, die Spielzeiten nach Auslaufen von Luisis Vertrag, 2014, zu planen – und zwar tunlichst mit einem Dirigenten, dem zuzutrauen ist, dass er sich nach dem turbulenten Ausklang der Ära Luisi Zeit genug nehmen wird, lange Zeiträume mit den Symphonikern zu verbringen, um in Konzert und Oper (im Theater an der Wien und bei den Bregenzer Festspielen) gleichermaßen festigend und prägend wirken zu können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2011)

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