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Drexler: „Es hätte Karl oder Lopatka sein sollen“

(c) APA (PETER PHILIPP)
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Steiermarks Klubchef Drexler kritisiert, Spindelegger habe bei der ÖAAB-Chefkür Länderinteressen verletzt. Mit Mikl-Leitner sei einmal mehr Niederösterreich - und Erwin Pröll - sehr gut bedacht worden

Wien/Graz. Scharfe Geschütze fährt der steirische ÖVP-Klubchef und ÖAAB-Landeschef Christopher Drexler gegen den neuen Parteiobmann Michael Spindelegger auf: Die Kür Johanna Mikl-Leitners zur nächsten ÖAAB-Chefin am Dienstag sei nicht gut verlaufen, sagt Drexler im „Presse“-Gespräch: „Sie können davon ausgehen, dass ich nicht überaus zufrieden bin“, so der Landespolitiker zur Entscheidung in drei Wahlgängen.

„Es hätte Frau Karl sein sollen oder Herr Lopatka sein können“, meint Drexler über seine Landsleute, Justizministerin Beatrix Karl und Ex-Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka, die ebenfalls im Rennen waren. Lopatka war im ersten Wahlgang bei den neun ÖAAB-Landeschefs und dem scheidenden ÖAAB-Bundeschef, Spindelegger, sogar vorn gelegen. Angeblich vor allem auf Betreiben Spindeleggers hin wurde der Wahlmodus jedoch geändert, und es gab zwei weitere Wahlgänge: Der ÖAAB-Bundesvorstand sollte sich auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin einigen – auf die neue Innenministerin Mikl-Leitner, hinter die man sich schließlich „einstimmig“ stellte.

„Merken wird man sich das schon“, sagt Drexler über andere Absprachen, die es vor der ÖAAB-Sitzung – mutmaßlich mit Spindelegger selbst – gegeben habe: „Ich werde die Festplatte nicht löschen.“ Der neue Parteiobmann wäre „gut beraten gewesen“, glaubt Drexler, hätte er sich bei seiner Nachfolge im ÖAAB-Chefsessel um ein „fein tariertes Verhältnis“ zwischen den Landesorganisationen des ÖVP-Arbeitnehmerbundes gekümmert.

Mit Mikl-Leitner hingegen sei einmal mehr Niederösterreich – und dessen mächtiger Landeshauptmann Erwin Pröll – sehr gut bedacht worden: Prölls Vertraute Mikl-Leitner war schon im April Spindeleggers Wahl für das Innenressort in Nachfolge Maria Fekters gewesen, auch der neue Parteichef und Vizekanzler selbst kommt aus Niederösterreich.

„Das Prozedere der letzten Wochen hinterlässt einen schalen Beigeschmack“, so Drexler über die Kür der neuen ÖVP-Minister und der ÖAAB-Chefin, bei der die steirische Landesorganisation den Kürzeren gezogen hat. „Wir kümmern uns jetzt um die Steiermark und ihre Reformen. Es gibt mitunter Wichtigeres“, so der Klubchef über die Bundespolitik, „von der wir wissen, durch welchen Grad von Professionalität sie sich auszeichnet.“

Er, Drexler, sei entgegen hartnäckigen anders lautenden Gerüchten übrigens nie für den ÖAAB-Chefsessel im Gespräch gewesen – und hätte den Job auch nicht gewollt: Es sollte schon „ein Bundesfunktionär, etwa ein Minister, sein, sonst ist das nicht sinnstiftend und gewichtig genug“. In der Kampfabstimmung wählte Drexler Lopatka statt Mikl-Leitner, die sich am Ende aber durchsetzte.

 

Salzburger: „Viel zu ostlastig“

Kritik an Mikl-Leitners Bestellung gab es am Mittwoch auch aus anderen Bundesländern – teils inoffiziell, teils offiziell. So sagte Salzburgs ÖAAB-Chef Christian Stöckl, die Bundespolitik sei „viel zu ostlastig“. Niederösterreichs Wolfgang Sobotka mahnte, man solle die Person Mikl-Leitner, nicht ihr Bundesland in den Vordergrund stellen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2011)