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Mikl-Leitner: Kinderwahlrecht "anschauen"

(c) REUTERS (HERWIG PRAMMER)
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Neo-ÖAAB-Obfrau Mikl-Leitner will Leistungsbereite und Familien stärken. Frauen dürften nicht benachteiligt werden. Die Kritik an ihrer Kür trifft sie „überhaupt nicht“.

Die Presse: Erst im dritten Wahlgang zur Chefin gekürt: Fühlen Sie sich damit stark genug für die Führung des ÖAAB?

Johanna Mikl-Leitner: Ich freue mich über das einstimmige Ergebnis des Bundesvorstands. Dass es mehrere Kandidaten gegeben hat, finde ich erfreulich. Das zeigt, dass der ÖAAB viel gutes Personal hat.

Landesorganisationen wie die steirische kritisieren, dass es drei Anläufe gebraucht hat, und das, nachdem Reinhold Lopatka zuerst vorne gelegen ist. Wie wollen Sie die befrieden?

Ich habe vom ersten Moment an die Ansage gemacht, dass die Stärke des ÖAAB in den Landesorganisationen liegt und dass ich eine enge Kooperation suche. Es ist legitim, dass jeder seinen Kandidaten durchbringen will. Jetzt geht es aber darum, allen die Hand zu reichen und gemeinsam zu arbeiten.

Durch die Kritik der Länder sind Sie aber so etwas wie der erste Bauchfleck des neuen Parteichefs. Ihre Kür ist nicht so glatt gelaufen, wie er und wohl auch Sie sich das erhofft haben. Leiden Sie?

Überhaupt nicht. Es ist gut, dass die Entscheidung schnell gefallen ist.

Sie sollen lange selbst gezögert haben. Wann haben Sie Spindelegger zugesagt zu kandidieren, und warum?

Am Montag hat er mich gefragt. Ausschlaggebend war, dass es eine spannende Herausforderung ist.

Ist das neben dem wichtigen Innenressort überhaupt zu schaffen?

Sicher. Zeitmanagement, effizient arbeiten – dann geht sich das aus.

Zur Hacklerregelung: Die wollen Sie, entgegen ersten Gerüchten, gar nicht abschaffen. Aber wie sind die immer teureren Pensionen zu finanzieren?

Ja, die Hacklerregelung soll bleiben. Es geht aber darum, das faktische Pensionsantrittsalter hinaufzusetzen. Das ist der einzige Weg.

Spindelegger wünscht sich eine familienfreundliche Steuerreform, eventuell Familiensplitting. Wie stehen Sie heute dazu? Sie waren ja eine Kritikerin.

Ich bin aber immer dafür, wenn es darum geht, Familien zu fördern. Und dazu gehört auch ein gerechtes Steuersystem. Familiensplitting ist sicher ein Thema, das man sich anschauen muss. Gerne, ja.

Beim Familiensplitting könnten aber die Frauen draufzahlen. Oder?

Es darf sicher kein Modell kommen, das Frauen benachteiligt.

Familienexperte Danhel hat in der „Presse“ gefordert, Eltern statt Frauen zu bevorzugen. Etwa, wenn es um die Vergabe von Jobs geht.

Ich unterstütze grundsätzlich alles, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt, ob für Frauen oder für Männer.

Soll ein Job bei gleicher Qualifikation eher an eine Mutter als an eine kinderlose Frau gehen?

Da muss man vorsichtig sein. Es gibt ja etwa auch viele, die keine Kinder bekommen können.

Danhel hat auch das Kinderwahlrecht gefordert. Soll es kommen?

Das sollte man sich auf alle Fälle anschauen. Denn Entscheidungen, die heute getroffen werden, betreffen die nächste Generation.

Sie wollen Leistungsbereite auch steuerlich unterstützen. Wie genau?

Jene, die nicht arbeiten, sollen Unterstützung erhalten, aber auf Zeit. Jene, die Leistung bringen, müssen unterstützt werden. Das Vorhaben von Finanzministerin Fekter, den Mittelstand zu entlasten, ist richtig.

Spindelegger hat 2010 in der „Presse am Sonntag“ 100.000 neue Zuwanderer bis 2030 gefordert. Und Sie?

Mit der Rot-Weiß-Rot-Karte ist der erste Schritt getan. Denn wir brauchen hochqualifiziertes Personal, damit Firmen nicht abwandern. Weiteres muss man noch prüfen.

Bei der Bildung schließen Sie eine gemeinsame Schule aus. Oder?

Ja. Es gibt ein klares Ja zur Neuen Mittelschule und zum Gymnasium. Es braucht individuelle Förderung für jeden Schüler. Und Vielfalt.

Wird es unter Ihnen als ÖAAB-Chefin eine Rückkehr zu alten, stärker christlich-sozialen Werten geben?

Wenn Sie unter christlich-sozial modern verstehen, dann bin ich gern christlich-sozial und modern.

Zur Person

Johanna Mikl-Leitner, 47, ist seit 21. April ÖVP-Innenministerin nach Maria Fekter und seit Dienstag auch designierte ÖAAB-Obfrau nach Michael Spindelegger, die formelle Bestellung folgt im Herbst. Von 1998 bis 2003 war sie Geschäftsführerin der ÖVP-NÖ, von 1999 bis 2003 auch im Nationalrat. Danach war sie Landesrätin für Soziales und Familie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2011)