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Erste-Bank-Chef: "Wirtschaft ist wie Fußball geworden"

Griechenland Treichl sieht Ratlosigkeit
(c) APA (HANS KLAUS TECHT)
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Treichl ortet in der Euro-Krise Ratlosigkeit bei den Entscheidungsträgern. Sie sollten zugeben, dass sie keine Lösungen wissen. Indes hat die Erste Group die Verdopplung der Gagen der Aufsichtsräte beschlossen.

Erste-Chef Andreas Treichl kritisierte am Donnerstag in seiner Jahreshauptversammlung die unzähligen Wortmeldungen von allen Seiten, wie es mit dem schuldengebeutelten Griechenland und dem Euro weiter geht. "Die Wirtschaft ist wie Fußball geworden: Jeder hat eine Meinung, jeder weiß, warum die Mannschaft schlecht spielt". An den relevanten Stellen ortet Treichl hingegen Ratlosigkeit.

"Wer sich intensiv damit beschäftigt, muss einen Schritt machen, den man in der Medizin setzt: Wo Ärzte und Wissenschafter zugeben, dass sie es schlicht und einfach nicht wissen, wie man das löst".

"Den Menschen reinen Wein einschenken"

Zu allen Fragen, ob oder wann es bei Griechenland zur Umschuldung kommt, welche Kosten da auf Bürger und Steuerzahler zukommen, ob die Schuldenkrise eine Krise der Banken oder der Staaten sei, ob ein Staat pleite gehen könne oder ob der Euro untergehe, wüssten viele vorgeblich genau Bescheid. Treichl: "Ich sage, es gibt viele Probleme in der Wirtschaft und wir wissen nicht, wie das zu lösen ist. Diesen reinen Wein sollte man den Menschen einschenken."

Es sei eine Krise von Staaten und Banken, befand Treichl. Ob der Euro besteht, sei eine Frage der Politik. "Der Euro ist durch die Politik eingeführt worden und kann nur durch die Politik abgeschafft werden. Ich mache mir keine Sorgen um den Euro", so der Erste-Chef. "Sicher ist, dass wir in einer Zeit leben, wo Finanzinstitute, Realwirtschaft und Politik wirklich eng zusammenarbeiten sollten. Das sehe ich derzeit aber nicht."

"Krise war gestern, Gier ist heute"

Indes hat die Erste Group die Verdopplung der Gagen der Aufsichtsräte beschlossen. Den Aufsichtsratsmitgliedern zahlt die Bank für das Geschäftsjahr 2010 eine Vergütung von 700.000 Euro, im Jahr davor waren es 350.000 Euro gewesen. Das hat der Bankspitze am Donnerstag in der Jahreshauptversammlung heftige Kritik von Seiten kritischer Anleger eingebracht, wo von einem "unverschämten" Antrag an die Aktionärsversammlung die Rede war.

Treichl will noch länger im Amt bleiben

Wenn im Sommer 2012 die Vorstandsmandate in der börsenotierten Erste Group auslaufen, will Vorstandschef Treichl, dann 60, im Amt bleiben. "Wenn ich darf, würde ich das sehr gern weiter machen", sagte Treichl.

(APA)