Fahrbericht: Auf der Suche nach dem perfekten Stadtauto fahnden wir im Toyota iQ nach Parkplätzen, Stärken und Schwächen. Es gibt von allem.
Toyotas iQ ist angetreten als der smartere Smart, so darf man auch den Namen verstehen. Mit 30 Zentimetern mehr Außenlänge erkauft er sich zunächst einmal einen Sitzplatz mehr, als der Smart zu bieten hat. Von einem Viersitzer wollen wir nicht wirklich reden, denn hinterm Fahrer geht sich kaum ein Paar Knie aus (eine Babyschale natürlich schon). Dass man hinter dem Beifahrer akzeptabel sitzen kann, liegt an der Aussparung des asymmetrischen Armaturenbretts, das eine Position weit vorn erlaubt. Das Wissen um einen Heckscheiben-Airbag soll beitragen, dass es einem hinten nicht bange wird.
Überhaupt, wenn wir richtig gezählt haben, versammelt der iQ schon in der Grundausstattung insgesamt elf Airbags auf der Größe eines Abstellkammerls. Dass die nur nicht alle gleichzeitig zünden!
Anders als der Smart hat der Toyota den Motor vorn, wo er, zusammen mit der angetriebenen Vorderachse, zur Schwere des Lenkgefühls beiträgt. Auf schlechten Straßen und bei schnellen Manövern empfiehlt es sich, das tief liegende Lenkrad mit eisernem Griff zu halten.
So spaßig und unbekümmert wie im Smart lässt es sich im iQ nicht durch die Kurven jubeln, verspielte Naturen mögen das als Manko empfinden. Anderen wird es wiederum gerade recht sein, dass man sich im Toyota wie in einem richtigen Auto fühlt, das, außer im Rennen um Parkplätze, gar keine humorige Sonderrolle spielen will.
Schrecken der Heckscheibe
Das Innere wirkt geräumig, und fast erschrickt man, wenn man sich umsieht und der Kühler des Hinterherfahrenden ist, wo man üblicherweise die eigene Heckscheibe wähnt. Minimalistisch das Bedienkonzept: Drei Regler auf der Mittelkonsole steuern die Klimatisierung, zwei Knöpfe auf dem Lenkrad das CD-Radio. Mehr gibt es nicht zu drücken.
Erneut im Unterschied zum Smart ist der Motor ein konventioneller Vierzylinder, wir testeten die stärkere Variante mit 1,3 Liter Hubraum und 98 PS. In einer seltenen Ausnahme raten wir von der optionalen Automatik ab und damit zum Sechsganghandschalter. Das stufenlose CVT-Getriebe fährt stets aufgeregt übers Drehzahlband, was im täglichen Stadtverkehr zu viel Wirbel verursacht. Sorgfältig akustisch gedämmt ist der Motor nämlich nicht.
Übrigens auch nicht herausragend sparsam. Klar über sieben Liter im Stadtverkehr sind kein Ruhmesblatt. Wen es tröstet: Auch der Smart ist nicht so sparsam, wie es die Papierform verspricht, und auch die Eigenarten seines (einzigen) Getriebes vermögen interessierte Kunden zu verprellen. Beide Autos können auf einer Schienenstraße, auf der man das ausdrücklich nicht tun darf, in einem Satz wenden, das können normale Autos nicht.
Eine Cabrio-Version, ja selbst ein Schiebedach, soweit wir herausgefunden haben, bleiben dem iQ-Fahrer verwehrt, das ergibt Abzüge auf der Fun-Skala. Smart der eine, intelligenter noch der andere – unsere Suche nach dem perfekten Stadtauto geht dennoch weiter.
Auf einen Blick
Toyota iQ 1.33 VVTI CVT: Kaum größer, aber mehr Platz als im Smart.
Maße: L/B/H: 2985/1680/1500 mm. Radstand 2000 mm. Gewicht 955 kg. Kofferraumvolumen 32-232 l.
Motor: Reihen-Vierzylinder, 1329 ccm. 72 kW (98 PS) bei 6000 U/min, 123 Nm bei 4400 U/min. Stufenloses Automatikgetriebe, Frontantrieb. Testverbrauch 7,2 l/100 km. CO lt. Norm: 120 g/km.
Preis: 17.063 Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2011)