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Vatikan erleichtert "alte" Messen in Latein

Vatikan schafft mehr Raum
Symbolbild(c) Erwin Wodicka
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Priester dürfen ab sofort ohne Erlaubnis ihres Bischofs die Messe im alten Ritus, also in Latein und mit dem Rücken zur Gemeinde, zelebrieren. Voraussetzung: Sie müssen den Papst als Obersten Hirten akzeptieren.

Der Vatikan hat neue Richtlinien für die Feier der heiligen Messe in Latein erlassen und dabei den "älteren Usus" gestärkt. Die alte Liturgie sei ein "wertvoller Schatz", den es zu bewahren gelte und der allen Gläubigen angeboten werden solle, heißt es in der am Freitag veröffentlichten neunseitigen Instruktion "Universae Ecclesiae" der zuständigen Päpstlichen Kommission "Ecclesia Dei". Es gebe "keinen Widerspruch" zwischen der "ordentlichen" und der "außerordentlichen" Form der Messe. Vielmehr handle es sich um "zwei Gebrauchsweisen des einen römischen Ritus".

Die von Papst Benedikt XVI. 2007 wieder zugelassene tridentinische Messe geht auf das Konzil von Trient (1545-63) zurück. Auffälligste Merkmale sind die lateinische Sprache und dass der Priester mit dem Rücken zur Gemeinde steht. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde Papst Paul VI. der Wechsel zur "neuen" Liturgie vollzogen.

Wesentliche Neuerung durch "Universae Ecclesiae" ist die grundsätzliche Zulassung der "außerordentlichen" Form auch für die Liturgien von Gründonnerstag bis Ostersonntag. Voraussetzung ist das Vorhandensein eines "geeigneten Priesters". Außerdem brauchen Priester künftig nicht mehr die Erlaubnis ihres Bischofs, wenn sie mit einer "dauerhaft bestehenden Gruppe von Gläubigen" eine Messe in der alten Form feiern wollen. Doch dürfen Anhänger des alten Ritus ausdrücklich nicht "die Gültigkeit oder Erlaubtheit der heiligen Messe oder der Sakramente" in der heute üblichen Form bestreiten oder den Papst als Obersten Hirten der Gesamtkirche ablehnen.

"Religion mit modischen Mätzchen"

Schon als Präfekt der Glaubenskongregation hatte Kardinal Joseph Ratzinger die "Entsakralisierung" der liturgischen Formen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und verschiedene Missbräuche bedauert. Er warnte vor "einer zur Show degenerierten Liturgie, in der man die Religion mit modischen Mätzchen interessant zu machen versucht". Der "Wildwuchs" gottesdienstlicher Formen müsse beendet werden. In seinem Buch "Der Geist der Liturgie" stellte er die Bedeutung der Liturgie als vor allem auf Gott ausgerichtet und die ganze Kirche verbindend heraus, sie sei weder eine "Gemeinschaftsfeier" der Gemeinde, noch etwas "Selbstgemachtes". In seinem zu Weihnachten 2010 erschienenen Interviewbuch mit Peter Seewald sagte der Papst: "Wir können nicht sagen: Vorher war alles verkehrt, jetzt ist alles richtig."

Stärkung der Traditionalisten

Der Vatikan stärkt nun die Stellung der Kommission "Ecclesia Dei", die 1988 für die Belange der Traditionalisten gegründet wurde. Die Kommission soll künftig über Einsprüche gegen bischöfliche Anordnungen entscheiden, die den päpstlichen Bestimmungen "zu widersprechen scheinen". Nachdem die von dem verstorbenen französischen Alterzbischof Marcel Lefebvre gegründete Priesterbruderschaft St. Pius X. eigenmächtig vier Bischöfe geweiht hatte (deren Exkommunikation von Benedikt XVI. inzwischen aufgehoben wurde), hatte der Vatikan die Bruderschaft St. Petrus für traditionalistische Gläubige gegründet, die sich von den Lefebvre-Gefolgsleuten loslösen.

(Ag.)