Die Berliner Philarmoniker kündigen ihren Wechsel nach Baden-Baden an. Salzburgs Festspiel-Leitung erwägt deshalb eine Klage. "Das ist ein klarer Vertragsbruch", sagt auch Salzburgs Bürgermeister.
Die Salzburger Osterfestspiele kommen nicht zur Ruhe: Nach wiederholten Gerüchten, die Berliner Philharmoniker könnten das Festival verlassen und einem ausgewachsenen Skandal rund um den früheren Geschäftsführer samt darauffolgender Neuorganisation im Vorjahr platzte am Samstag die nächste "Bombe": Die "Berliner" kehren den Osterfestspielen ab 2013 den Rücken und ziehen nach Baden-Baden. Salzburg ist erwartungsgemäß verärgert, spricht von Vertragsbruch und feilt an einem künstlerischen Neustart.
Forderungen "nicht umzusetzen"
In einer kurzen Aussendung teilte die Festivalleitung in der Nacht auf Samstag mit, dass das Orchester am Freitag bekanntgegeben habe, ab 2013 zu Ostern nicht mehr in Salzburg aufzutreten. Der geschäftsführende Intendant der Osterfestspiele, Peter Alward, äußerte sein Bedauern und sagte, dass die ursprünglichen Forderungen der Berliner Philharmoniker nach vier Opernaufführungen und einer deutlichen Ausweitung des Kammermusik- und Education-Spektrums "nach realistischer Betrachtung der finanziellen Verhältnisse" nicht umzusetzen gewesen wären.
Alward schloss rechtliche Schritte gegen die Berliner Philharmoniker nicht aus. Für 2013 sei bereits mit dem Bau von Bühnenbildern für die Wagner-Oper "Parsifal" begonnen worden. Sollte Salzburg auf den Kosten sitzen bleiben, sei der Weg vor Gericht möglich.
Die Philharmoniker ihrerseits begründeten ihre in einer Vollversammlung getroffene Entscheidung damit, dass das Orchester für die Opern- und Konzertaktivitäten zu Ostern "eine langfristig gesicherte Gesamtsituation" brauche, "die uns das Festspielhaus Baden-Baden bieten kann". Das Orchester werde mit seinen für 2012 eingegangenen Verpflichtungen (zwei Aufführungen der Oper "Carmen" unter der Leitung von Sir Simon Rattle sowie Konzerten, den Kontrapunkten und dem Education-Projekt) "musikalisch Abschied von Ostern in Salzburg nehmen".
Salzburgs Politik verärgert
Ob nicht in Wahrheit vielmehr die Finanzen Grund für den Wechsel waren, ist nicht bekannt. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) stellte dies jedenfalls in den Raum: "Offensichtlich ist es möglich, in Baden-Baden finanziell eine bessere Perspektive zu haben. Wir konnten in Salzburg nicht noch mehr drauflegen, denn da hätte einfach das Verständnis in der Bevölkerung gefehlt", sagte sie gegenüber dem ORF.
"Klarer Vertragsbruch"
Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) sprach im von einem "klaren Vertragsbruch". "Vor allem bin ich deshalb maßlos enttäuscht und verärgert, weil der Wechsel der Berliner Philharmoniker von Salzburg nach Baden-Baden von langer Hand vorbreitet worden sein muss. Noch bei unserer Aufsichtsratssitzung zu Ostern 2011 haben die Philharmoniker kein Sterbenswörtchen von ihren Abwanderungsplänen gesagt", reagierte der Bürgermeister verschnupft. Auch Landeshauptmann-Stellvertreter Wilfried Haslauer (ÖVP) äußerte "Unverständnis und Enttäuschung".
Nichtsdestotrotz wird in der Mozartstadt bereits über den "Tag danach" nachgedacht. "Auf ein Top-Festival auf international höchstem Niveau kann und wird Salzburg nicht verzichten", meinte der Bürgermeister und zeigte sich überzeugt, "dass die besten Dirigenten, Regisseure, Musiker und Orchester für ein vergleichbares Festival-Format interessieren sind." Die Landeshauptfrau kündigte die Einrichtung einer Perspektiven-Gruppe an, in der sich Stadt, Land, Fremdenverkehrswirtschaft und Festspiele um die Zukunft der Osterfestspiele kümmern sollen.
"Wechselnde Top-Orchester vorstellbar"
Eines der großen Fragezeichen bei den neuen Osterfestspielen ab 2013 ist die Rolle der Wiener Philharmoniker. Schon 2009, als die "Berliner" mit dem Abwandern gedroht hatten, sind Gespräche mit den "Wienern" geführt worden. Die Idee, auch zu Ostern in Salzburg zu spielen, ist laut Schaden in Wien durchaus nicht auf taube Ohren gestoßen. "Man muss aber jetzt in alle Richtungen denken, auch ein Festival mit verschiedenen, wechselnden Top-Orchestern ist durchaus vorstellbar", so der Salzburger Bürgermeister.
Auch Intendant Alward stellte fest, "es gibt ein Leben nach Berlin. Ich habe konkrete Opern-Ideen, und ganz offensichtlich gibt es außerordentlich namhafte Künstler, die trotz der kurzen Fristen sehr daran interessiert sind, in Salzburg Oper zu machen", sagte der Brite.
Eliette von Karajan, die Witwe des Festival-Gründers und Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker, gab sich in einer Aussendung erstaunt und enttäuscht. "Nach den bekannten Turbulenzen war ich überzeugt, dass die Osterfestspiele Salzburg mit einem neuen Team, einer neuen Konstruktion und neuen Kooperationspartnern beruhigt in die Zukunft blicken können. Ich werde gemeinsam mit dem Führungs-Team eine Lösung suchen, die Osterfestspiele zur Freude der Salzburger und des treuen Stammpublikums auf höchstem Niveau fortzusetzen.
(APA)