"Berliner" als fixer Bestandteil der Osterfestspiele

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Seit der Gründung der Osterfestspiele durch den legendären Dirigenten Herbert von Karajan waren die Berliner Philharmoniker dabei.

Seit der Gründung der Salzburger Osterfestspiele im Jahr 1967 war dieses elitäre Festival untrennbar mit den Berliner Philharmonikern verbunden. Nach viereinhalb Jahrzehnten soll diese Zusammenarbeit nun auslaufen. Das Orchester ließ am Freitag die Osterfestspiele wissen, dass es ab 2013 zu Ostern nicht mehr in Salzburg auftreten werde.

Vater des Festivals war Herbert von Karajan, der 1966 die Osterfestspiel GmbH gründete und im darauffolgenden Jahr startete. Der geschäftstüchtige Chefdirigent der Berliner Philharmoniker wollte damit nicht nur einen neuen Fixpunkt im Veranstaltungskalender kreieren, sondern schuf damit auch eine neue Vermarktungsschiene für seine Schallplatten: Dem zahlungskräftigen Publikum wurde genau jene Kost aufgetischt, die der Maestro kurz davor mit dem Klangkörper eingespielt hatte. Unterstrichen wurde die Einzigartigkeit des Festivals damit, dass sich die "Berliner" nur hier in das sonst gemiedene Opernfach begaben.

Die Osterfestspiele waren daher von Anbeginn quasi Karajans Privat-Festspiele, für die er auf öffentliche Zuschüsse verzichtete und sehr teure Karten auflegte. Im künstlerischen Mittelpunkt standen je eine aufwendige Opernneuproduktion im Großen Festspielhaus und das große Orchester-Repertoire mit den Berliner Philharmonikern.

Der Tod des Maestros 1989 brachte eine Zäsur in der künstlerischen Weiterentwicklung der Osterfestspiele und auch eine deutlichere Abgrenzung zu den Sommerfestspielen, mit denen bis dahin eng zusammengearbeitet worden war - Karajan leitete auch dieses Festival. Die darauffolgenden vier Jahre zeichneten zuerst Kurt Masur, dann Bernard Haitink und schließlich Sir Georg Solti für das Osterfestival verantwortlich, 1994 folgte Claudio Abbado als künstlerischer Leiter und führte die langjährige Tradition des verantwortlichen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker als Intendant des Festivals fort. Nach Abbados Ausscheiden als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker übernahm sein Nachfolger in Berlin Sir Simon Rattle ab der Saison 2003 auch in Salzburg die künstlerischen Planungen.

Als Geschäftsführerin fungierte nach Karajans Tod dessen Assistentin Beate Burchhard, und zwar bis 1994. Ihr folgte Robert Minder, der dann 1998 von Claudio Abbados persönlichem Referenten und Assistenten, Michael Dewitte, abgelöst wurde. Dieser wurde Mitte Dezember 2009 wegen grober finanzieller Ungereimtheiten gefeuert, die Staatsanwaltschaft ermittelt seither. Nach einer Interimslösung leiten nun Bernd Gaubinger als Geschäftsführer und Peter Alward als geschäftsführender Intendant das Festival.

Bei der Aufarbeitung der Affäre wurden die Osterfestspiele im Vorjahr auf neue Beine gestellt: Stadt, Land und die Salzburger Land Tourismus (SLT) halten an der neuen Gesellschaft je 20 Prozent, die Stiftung "Herbert von Karajan Osterfestspiele" 25 Prozent und der Verein der Förderer der Osterfestspiele 15 Prozent. Die Berliner Philharmoniker waren in den Prozess dieses Umbaus eingebunden und sind seither auch im Aufsichtsrat vertreten.

(APA)

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