Christie's: Betörende Blue Chips für Sammler

Christies Betoerende Blue Chips
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Werke der Klassischen Moderne aus der Sammlung Beyeler kommen bei Christie's unter den Hammer. Der Erlös sichert das Basler Museum.

Giverny liegt in der Normandie. Der kleine Ort wurde bekannt durch Claude Monet (1840–1926), der dort seine berühmten Seerosen-Bilder malte. Garten und Haus, nun ein Museum, können besichtigt werden. Fotos zeigen den Künstler in rustikaler Aufmachung vor einem der berühmtesten Gewässer der Kunstgeschichte. 30 Jahre lebte Monet in Giverny. Er beschäftigte einen Gärtner, der sich nur um die Seerosen kümmerte. Sein Augenlicht schwand. Die Abbildungen der Pflanzen wurden immer verschwommener.

Sammler bevorzugten daher die früheren Bilder. Der Schweizer Galerist Ernst Beyeler (1921–2010) ließ sich vom Zeitgeschmack nicht beirren. Er kaufte die späten Seerosen. Heute weiß man, dass diese eine besondere Weiterentwicklung von Monets impressionistischem Stil sind. Eines dieser Gemälde kommt im Juni bei Christie's in London unter den Hammer. Dort wird der Nachlass („The Estate“) Ernst Beyelers versteigert. Der Erlös soll der Sicherung des berühmten Museums in Riehen bei Basel dienen, das nur zu ca. 13 Prozent vom Staat finanziert wird.

Ca. 100 Objekte werden angeboten; sie stammen aus der legendären Galerie Beyeler, die nach dem Tod des Sammlers ihre Pforten schließt. Hildy Beyeler, die mit ihrem Mann die Sammlung aufgebaut hat, starb bereits 2008. Die beiden hatten keine Kinder. Ihr Leben war die Kunst. Beyeler, ein Selfmademan, sollte ursprünglich Kaufmann werden. In Basel studierte er Ökonomie und Kunstgeschichte. Während des Studiums arbeitete er in einem Basler Antiquariat, das er 1945 übernahm. Seine erste Ausstellung galt japanischen Holzschnitten. Ab 1951 widmete er sich ausschließlich der Kunst.


Gesamtschätzwert 50 Mio. Pfund. Angeboten werden bei Christie's viele große Namen: Gauguin, Renoir, Toulouse-Lautrec, Picasso, Matisse, Jawlensky, Kokoschka, Giacometti. Der Schätzpreis liegt insgesamt bei 50 Mio. Pfund. Offeriert werden z. B. Picassos „Buste de Françoise“ (Öl auf Holz, 7–10 Mio. Pfund), „Parklandschaft“ von Paul Klee (Wasserfarbe, 400.000–600.000 Pfund), „Nu allongé“ von Renoir (Öl auf Leinwand, 4–6 Mio. Pfund) oder Gauguins „Le Vallon, Tahiti“ (Öl auf Leinwand, 5,5–8,5 Mio. Pfund). Doch gibt es auch weniger Kostspieliges für „fünfstellige Beträge“, wie Andreas Rumbler von Christie's erklärt, „z. B. Bronzen von Hans Arp, die Beyeler auf dem Schreibtisch hatte, oder eine kleine Skulptur von Giacometti“. Die Käufer dürften eher Sammler sein als Museen. Es sei klar, dass Beyeler seine attraktivsten „Highlights“ in seine Basler Fondation eingebracht hat; trotzdem gebe es noch genügend zu entdecken.

Rumbler hat Beyeler selber gekannt: „Er gehörte zu einer Generation von Händlern, die gleichzeitig Sammler waren, ist vergleichbar mit Heinz Berggruen (1914–2007) und Jan Krugier (1928–2008). Es gibt heute kaum mehr Sammlerpersönlichkeiten dieses Kalibers, die aus dem Kunsthandel entstehen. Beyeler war ein begnadeter Händler und Vermittler, natürlich auch ein beinharter Verhandler. Was mich am meisten beeindruckt hat, er konnte ein Bild und seine Bedeutung beschreiben, ohne den Sammler mit kunsthistorischen und biografischen Fakten zu bombardieren. Er fand aus dem Stegreif einleuchtende, einfache und treffende Worte und überzeugte völlig.“ Kurz vor ihrer beider Tod 2010 trafen einander Beyeler und Rudolf Leopold und berieten den Austausch von Leihgaben für Ausstellungen ihrer Museen. Wie Leopold sammelte Beyeler auch afrikanische und ozeanische Kunst, die eine wichtige Inspirationsquelle für Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts war.


Surrealismus. 1959–1965 landete der Schweizer seinen ersten großen Coup, als er 340 Werke der Sammlung Thompson in Pittsburgh (USA) erwarb. Normalerweise funktioniert der Transfer attraktiver Kunstwerke zwischen Europa und den USA ja eher umgekehrt. Von diesen Arbeiten der Klassischen Moderne – Cézanne, Monet, Picasso, Matisse, Léger, Mondrian, Braque, Klee – gingen zahlreiche an Museen. 80 Werke Giacomettis kamen in die Schweiz zurück, in die Giacometti-Stiftung Zürich, ans Kunstmuseum Basel. Beyeler organisierte über 300 Ausstellungen. Die Fondation zeigt im Herbst Surrealismus in Paris.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2011)

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