"Neutral Hero" von den "New York City Players" bei den Wiener Festwochen im Schauspielhaus langweilt – trotz Erfindungsreichtum.
Er wolle das Amerikanische umarmen, schreibt der Autor und Regisseur Richard Maxwell im Programm-Folder. Seine „New York City Players“ waren 2008 bei den Festwochen. Diesmal steht „Neutral Hero“, ein Begriff aus Computerspielen, auf dem Programm im Schauspielhaus. Es geht um die durchschnittliche US-Stadt. Auch Maxwell stammt aus einer solchen. 12 Schauspieler erzählen Geschichten, in denen sich Mythen, Naturimpressionen und Alltag mischen.
Die wichtigsten Elemente von Kleinstädten werden beschrieben: Supermarkt, Bank, Tankstelle, Versicherung. Stillstand ist ein dominantes Lebensgefühl, und doch ereignen sich Katastrophen. Ein Mann hat seine Familie verlassen. Der Sohn bittet ihn zurückzukehren und gerät in ein Milieu von Drogen und Gewalt. Der Krieg wetterleuchtet von ferne, in lokalen Museen mit Live-Erzählungen von Veteranen wird er verarbeitet. Der flüchtige Vater erlebt eine grausige Nacht im Wald. In einer Rückblende sucht der Sohn als Kind bei der Großmutter Trost. Sie birgt ihn in ihrem Schoß, hält aber nur den Rat für ihn bereit, sich mit allem abzufinden. Der Vater sieht sein Versagen ein, aber natürlich ist es zu spät...
Die ineinandergeschichteten, teils überaus poetischen, lyrischen Erzählungen strömen aus den Akteuren heraus, unterbrochen von Balladen und Gesang im Stil jener Hymnen, mit denen Amerika seine Werte preist, die immer brüchiger werden.
Publikum floh bei der Premiere. Man denkt an die vielen Bücher über den American Way of Life: John Updike, John Irving, Philipp Roth, T.C. Boyle oder den Apokalyptiker Cormac McCarthy. Die meisten dieser Bücher sind episch, aber nicht langweilig, was man vom dem 100 Minuten kurzen „Neutral Hero“ nicht behaupten kann. Vielleicht wirkt die Flaschenpost vom Land in der Betonwüste von New York erhellender, spannender. Das Ensemble ist gut. Die Premiere Freitag war keineswegs ausverkauft. Nicht wenige flohen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2011)