Blattlinie: Qualität

Die Selbstinfektion in der österreichischen Medienbranche mit dem eigenen Schmäh hat sich zu einer unansehnlichen Buchstabenneurose ausgewachsen.

Die österreichische Medienbranche beschäftigt sich derzeit erfolgreich mit sich selbst. „Selbstinfektion mit dem eigenen Schmäh“ nannte das Gerd Bacher, mein Kandidat für den nächsten ORF-Generaldirektor. Ich zum Beispiel war innerhalb von drei Tagen zweimal mit Armin Thurnher auf einem einschlägigen Podium, zuletzt am „Tag des österreichischen Qualitätsjournalismus“ in der Hofburg. Moderiert wurde unsere Diskussion von Armin Wolf, einer der Ikonen des österreichischen Qualitätsjournalismus. Wolf bereitet sich auf alles, was er macht, ziemlich gewissenhaft vor. Das spricht für seine Professionalität und seinen Qualitätsanspruch an sich selbst. Diesmal hatte er vorab ermittelt, dass in einem bestimmten Zeitraum in dieser Zeitung „Lugner“ öfter vorkam als „Bernanke“.

Ich finde, dass diese schonungslose Aufarbeitung der Kernprobleme des österreichischen Qualitätsmangeljournalismus ein wichtiger Schritt ist. In der Diskussion selbst war ich etwas unleidlich, ein Zeichen von Schwäche, ja, ich fühlte mich ertappt. Es ist nicht angenehm, auf so brillante Weise bloßgestellt zu werden. Aber Armin Wolf hat recht, wir sollten uns nicht länger etwas vormachen: Wenn wir so weitermachen, werden wir in Österreich nie so ein geniales Produkt wie die „NZZ“ herausbringen. Die hatte vor wenigen Tagen den Aufmacher „Europas Skepsis beim Abbau von Schiefergas“. Für solche Geschichten braucht man einfach mehr Personal, als wir alle haben.

Warum es so etwas wie die „NZZ“ in Österreich nicht geben kann, diskutieren demnächst die üblichen Unverdächtigen von Thurnher abwärts auf einem Podium in Linz. Wir werden Sie damit nicht belästigen.

michael.fleischhacker@diepresse.com