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SPÖ-Frauen: "Kinderlose nicht bestrafen"

(c) Teresa Zötl
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SPÖ-Frauen warnen vor "reaktionärer Familienpolitik", grüne Mandatarin beklagt Nachteile: Schwentner fordert die Umsetzung von Kollektivverträgen ohne geschlechtsspezifische Nachteile.

Wien/Ett. „Man kann moderne Frauenpolitik sicher nicht durch reaktionäre Familienpolitik ersetzen.“ Mit scharfer Ablehnung reagiert die Bundesgeschäftsführerin der SPÖ-Frauen, Andrea Mautz, auf den Vorschlag des Familienexperten Günter Danhel, bei gleicher Qualifikation im Beruf künftig die Eltern von Kindern statt der Frauen zu bevorzugen. Man dürfe nicht „Kinderlose bestrafen“, was eine Folge einer Bevorzugung von Müttern und Vätern bei Postenvergaben wäre, wenn die Bewerber gleich qualifiziert sind. Für Mautz ist der Vorstoß Danhels „sehr sonderbar“.

Um die Karrieremöglichkeiten von Eltern zu verbessern, pocht sie einmal mehr auf Maßnahmen zur Erleichterung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dazu zählten flexiblere Arbeitszeiten, ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuungsplätze und der Ausbau von Schulen mit Ganztagsbetreuung sowie vermehrte Hilfen beim Wiedereinstieg von Müttern in den Beruf nach der Karenz.

Genau in diesem Zusammenhang hakt die grüne Frauensprecherin Nationalratsabgeordnete Judith Schwentner mit Schelte für Regierung und Sozialpartner ein. Der Kernpunkt ihrer Kritik: Im aktuellen Nationalen Aktionsplan zur Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt, der von der Regierung in enger Abstimmung mit den Sozialpartner ausgearbeitet wurde, werde in den Kollektivverträgen nur in zwei Punkten – bei Kindergärtnern und in der Pflege – von 55 Maßnahmen etwas gegen „das versteckte Diskriminierungspotenzial“ bei Frauen unternommen, beklagt die Grün-Mandatarin.

Anlass für den Aufschrei Schwentners war ein Bericht in der „Presse“, wonach Mütter bei der Anrechnung von Karenzzeiten auf die Gehälter benachteiligt sind. Das „Diskriminierungspotenzial“ in den Kollektivverträgen dürfte weit darüber hinausgehen. Sie verweist darauf, dass beispielsweise bei der Höhe und Art von Zuschlägen und Zulagen „oft nur die üblichen Belastungen für Männer gesehen werden“. Schwentner fordert die Umsetzung von Kollektivverträgen ohne geschlechtsspezifische Nachteile.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2011)