Eine Frau an der Spitze des Innenressorts gilt in Österreich seit Liese Prokop fast als zwingend. Fekter spielte die Rolle der harten Frau fast zu gut, zumindest war Spindelegger dieser Meinung.
Wien. Die Bestellung des neuen ÖVP-Regierungsteams zeigte eindrucksvoll das Dilemma der ÖVP-Frauenpolitik: Die Aufgabe des Familienstaatssekretariats führt zu interner Kritik – auch und vor allem im Frauenbund. Dass zeitgleich erstmals in Österreich eine Frau das unbestritten wichtigste Ressort übernimmt, ging da fast unter. (Wohl auch, weil SPÖ und Grüne nicht die bisherige Innenministerin als Erfolg der Frauenbewegung feiern wollten oder konnten.)
Dass Mikl-Leitner Spindelegger an der Spitze des ÖAAB folgt, ist auch als Signal an die verärgerten Frauen in den eigenen Reihen wegen des aufgegeben Staatssekretariat gedacht. Dass eine Frau, die sich gegen die alte, mediale Bezeichnung als Erwin Prölls „Frau für's Grobe“ überhaupt nicht wehrt, Innenministerin wird, war in der Öffentlichkeit als fast schon zwingende (ÖVP-)Logik erwartet worden. Seit der im Amt verstorbenen Liese Prokop ist ausgerechnet das Innenministerium eine Erbpacht der ÖVP-Politikerinnen.
Prokop, Fekter und Mikl-Leitner: In Österreich, auf jeden Fall aber in der ÖVP, scheint man einer erfahrenen Politikerin eher zuzutrauen, den Bürgern das wichtige Sicherheitsgefühl zu geben; diese Rolle hätte man vor wenigen Jahren wohl Männern zugedacht.
Fekter spielte die Rolle der harten Frau fast zu gut, zumindest war Spindelegger dieser Meinung: Er will zwar Härte beim Thema Sicherheit, aber mehr Augenmaß, wenn es um Abschiebungen von Familien geht. Die Kompromisslosigkeit Fekters passt ihm im Finanzressort nach Josef Pröll deutlich besser ins Konzept; ihr selbst liegt es auch mehr, wie in ihrer Umgebung zu hören ist.
Dass auf SPÖ-Seite bei den Frauen fast ein bisschen Neid über die Machtverschiebung innerhalb des ÖVP-Teams zugunsten der Frauen herrscht, ist nicht ganz unlogisch. Dort verweist man gerne auf Doris Bures, die das realpolitisch mächtige Infrastrukturressort führt. Dass sie als SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Alfred Gusenbauers einst belächelt wurde, ist längst vergessen. Einig sind sich Ministerinnen auf beiden Seiten in einer Einschätzung, wie in Bemerkungen am Rande immer wieder zu hören ist: Die eigentliche Arbeit machen in der Regierung die Frauen; nur die Zielvorgabe, Kommentierung und gegebenenfalls Erfolgsmeldung erfolgt im (Vize-)Kanzleramt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2011)