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Androsch: "Entbehrliche Verbalinjurien" Treichls

TreichlSager Androsch lehnt Verbalinjurien
(c) APA (Georg Hochmuth)
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Banker und Politiker sollten lieber gemeinsam Lösungen suchen, appelliert Unternehmer Hannes Androsch in einer "Gegenrede" an Treichl.

Schweigsam gaben sich heute Montag bei einem APA-Rundruf heimische Spitzen der Wirtschaft, die sich an der Diskussion um die Äußerungen von Erste Group-Chef Andreas Treichl nicht beteiligen wollen. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, OMV-Chef Gerhard Roiss und voestalpine-Chef Wolfgang Eder wollten nicht Stellung nehmen. Unternehmer und Ex-Finanzminister Hannes Androsch hingegen nimmt sich kein Blatt vor den Mund. "Diese Verbalinjurien sind genauso entbehrlich wie das Banken-Bashing der Politik", sagte Androsch.

Statt wechselseitiger Beschuldigungen zwischen Bankern und Politikern sollten beide Gruppen lieber gemeinsam Lösungen suchen, appelliert er in einer "Gegenrede" zu Treichl.

"Herummurksen", um Banken zu schützen

Die Krise in den USA und in Westeuropa hätten hauptsächlich die Banken zu verantworten, aber auch die Politik sei wegen fehlender oder falscher Spielregeln, fehlender Aufsicht und falscher politischer Zielsetzung - "jedem sein Einfamilienhaus, auch wenn man sich's nicht leisten kann" - mitschuldig, konstatiert Androsch. Nun werde zugelassen, dass das gleiche Spiel weitergehe - "man murkst herum, weil man die eigenen Banken vor Abschreibungen schützen will". Die Banken seien noch längst nicht wieder gesund, aber "man lässt zu, dass sie das gleiche Spiel weitertreiben". Die Kredite an irische, griechische und portugiesische Schuldner hätten andere europäische Banken und die Europäische Zentralbank (EZB) gegeben.

Nun brauche man einen Ausgleich, "um den drückt man sich schon eineinhalb Jahre herum, das macht die Sache noch viel schlimmer", meint Androsch. Stattdessen gebe man immer neues Geld. Die Verantwortung liege also sowohl bei den Banken als auch bei der Politik: "Eigentlich sind beide verantwortlich, aber beide sind auch für die Lösung verantwortlich"', meint Androsch und appelliert: "Das geht nicht gegeneinander, sondern nur miteinander".

"Pyramidenspiel im Pensionsbereich"

Eine Spitze gegen die Banken bzw. gegen Treichl kann sich Androsch allerdings nicht verkneifen: "Zuviel Kredite gegeben zu haben und dann ums Geld der Steuerzahler zu kommen ist ja auch nicht gerade eine Mutprobe oder besonders intelligent und sozial verantwortlich". Die Erste Group hat 1,2 Milliarden Euro staatliches Partizipationskapital erhalten. Treichl hatte am Freitagabend die Politiker als "zu blöd und zu feig" bezeichnet, um die richtigen Schritte zu unternehmen.

Bisher gebe es keine Lösung, meint Androsch, das sei "genauso wie beim Pyramidenspiel im Pensionsbereich", wo er eine "Mischung aus Selbsttäuschung und Täuschung" ortet. Für die Zukunft Österreichs seien "tragfähige, konstruktive Lösungen gefragt, nicht Schuldzuweisungen mit Verbalinjurien, weil die helfen mit Sicherheit nichts". Die Banken- und Finanzkrise sei noch längst nicht gelöst, "das hängt wie eine Lawine über uns", auch die Pensionsfinanzierung und das Thema Missbräuche des Sozialstaats müssten gelöst werden. "Das alles bedarf einer Lösung, sonst war die letzte Krise wie ein Frühlingslüfterl", warnt Androsch.

Haselsteiner: "Treichl hat den Punkt getroffen"

Ganz anders fiel der Kommentar von Strabag-Boss Hans-Peter Haselsteiner aus. "Andreas Treichl hat den Punkt getroffen. Daran ändern auch der Ton und die Verallgemeinerung nichts. Selbstverständlich gibt es auch fähige Politiker - diese müssten sich aber stärker gegenüber den weniger begabten Kollegen durchsetzen", sagte Haselsteiner in einer Stellungnahme.

(APA)