Bei der Bank Austria reißen die Probleme bei der kasachischen ATF-Bank nicht ab. Bis Ende Mai muss bei der schwer angeschlagenen Tochter das Kapital erhöht werden. Ein Verkauf der Bank kommt aber nicht infrage.
Wien/Höll/Apa. Kurz vor Ausbruch der Finanzkrise im Juni 2007 hatte der frühere Bank-Austria-Chef Erich Hampel für 1,7 Mrd. Euro die ATF-Bank in Kasachstan erworben. Die Übernahme wurde damals groß gefeiert. Wegen des Ölreichtums und der strategisch günstigen Lage des Landes zwischen Russland und China erhoffte sich Hampel großes Wachstumspotenzial. Andere Finanzkonzerne machten um das autoritär geführte Land jedoch einen Bogen.
Verkäufer der ATF-Bank waren kasachische Investoren, denen gute Kontakte zum dortigen Herrscher Nursultan Nasarbajew nachgesagt werden. Für die Bank Austria erwies sich der Zukauf als teurer Fehlgriff. Denn die Wirtschaftskrise traf Kasachstan wesentlich härter als andere Regionen.
Harter Sanierungskurs
Schon dreimal musste die Bank Austria die Tochter in den Bilanzen um insgesamt 779 Mio. abwerten. Die dortigen Probleme belasteten auch das Vorjahresergebnis des Wiener Instituts. Der Gewinn brach um ein Drittel auf 747 Mio. Euro ein. Damit schnitt die UniCredit-Tochter schlechter ab als Erste Bank und Raiffeisen Bank International, die 2010 einen Gewinn von über einer Mrd. Euro erwirtschafteten. Am Montag wurde bekannt, dass die Wiener per Ende Mai bei der ATF-Bank 198 Mio. Euro nachschießen müssen. Mit dem Geld sollte die Tochter auskommen – „hoffentlich“, wie Bank-Austria-Osteuropa-Vorstand Gianni Franco Papa vor Journalisten sagte. Seinen Angaben zufolge soll die ATF-Bank 2011 wieder in die Gewinnzone kommen. „Wir arbeiten hart daran“, versicherte er.
Im Vorjahr wurde in Kasachstan das Management ausgewechselt. Das Institut mit 3800 Mitarbeitern und 170 Filialen soll restrukturiert werden. Bereits in den vergangenen Jahren wurden hunderte Stellen gestrichen. Wie viele Beschäftigte noch gehen müssen, lässt die Bank Austria offen. 2010 hatte die ATF einen Verlust von 163 Mio. Euro verbucht. Hätte die Wiener Mutter Ende 2010 nicht eine Garantie für faule Kredite übernommen, wäre das Minus doppelt so hoch ausgefallen.
Ein Verkauf der ATF-Bank kommt für Papa allerdings nicht infrage. Auch einen Rückzug aus anderen Ländern schließt der Vorstand aus. Dass sich einige westliche Institute (wie HSBC und Barclays) gerade aus Russland zurückziehen, hat laut Papa weniger mit Russland zu tun, sondern mit eigenen konzerninternen Umstrukturierungen. Die Bank Austria und Raiffeisen Bank International gehören in Russland zu den größten Auslandsbanken.
Starkes Wachstum in der Türkei
In den nächsten Jahren plant die Bank Austria in Osteuropa die Eröffnung von 900 neuen Filialen. Mit 3860 Zweigstellen verfügt UniCredit schon jetzt über das größte Netzwerk in Osteuropa. Der Mitarbeiterstand soll mit 72.000 aber gleich bleiben. Die profitabelste Tochter in Osteuropa ist Yapi Kredit in der Türkei. Von dieser stammten 31Prozent des im ersten Quartal 2011 erzielten Vorsteuergewinns von 449 Mio. Euro. Yapi Kredit ist mit 900 Standorten und 16.800 Beschäftigten die Nummer fünf am türkischen Bankenmarkt. Die Bank Austria ist mit 50 Prozent beteiligt, den Rest besitzen türkische Geschäftspartner. Bis 2015 sollen 300 neue Filialen dazu kommen. Im Vorjahr vermeldeten die türkischen Banken bei den Krediten ein Wachstum von 34 Prozent. Die türkische Notenbank warnt daher vor einer Überhitzungsgefahr und kündigte strengere Eigenkapitalvorschriften für die Finanzkonzerne an.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2011)