Der Keim der nächsten Krise

ABS-Papiere haben die Finanzkrise ausgelöst – und sind jetzt wieder en vogue.

Kommentar

Ein Kreditwerber, der seinem Bankberater die Frage „Haben Sie Sicherheiten?“ mit „Ja, mein Freund Hugo schuldet mir 10.000 Euro“ beantwortet, wird das Institut möglicherweise mit einem Misserfolgserlebnis verlassen. Die Geldinstitute selbst tun aber genau wieder dieses: Anleihen mit Forderungen aus Krediten besichern.

Das ist nichts Schlechtes, wenn es im Rahmen bleibt: Es schaufelt die Bilanz frei und schafft Spielraum für Finanzierungen, die die Wirtschaft irgendwann in naher Zukunft, wenn die Investitionstätigkeit wieder anspringt, dringend brauchen wird.

Wie gesagt: wenn es im Rahmen bleibt. Das ist aber leider nicht gesichert. Denn ganz offensichtlich hat man auch in diesem Punkt aus der schweren Wirtschaftskrise nichts gelernt. Von echten regulatorischen Bremsen gegen ein ungesundes Ausufern des Geschäfts mit forderungsbesicherten Wertpapieren (ABS) ist jedenfalls nicht viel zu sehen. Aus den Augen, aus der Bilanz, ist offenbar das Motto.

Das trägt den Keim der nächsten Krise in sich. Denn irgendwann werden einzelne Emittenten wieder dazu übergehen, „Subprime-“ statt „Prime“-Besicherungen einzusetzen. Die Ratingagenturen, die ja ihre Käuflichkeit (oder war es doch Hilflosigkeit?) ausreichend bewiesen haben, werden das Ganze mit „AAA“ veredeln. Und alle werden wie gehabt betroffen schauen – und einfach weitermachen.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2011)

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