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CAI: Game over für das Führungsduo

(c) Casinos Austria AG (Casinos Austria AG)
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Der plötzliche Abgang der Casinos-Austria-Manager Paul Herzfeld und Josef Leutgeb hat eine lange Vorgeschichte. Der Haussegen hängt schon eine ganze Weile schief. Er kommt dem Konzern dennoch völlig ungelegen.

Das Match um die Lizenzen für 15 Spielcasinos und die Lotterien ist Herausforderung genug. Schließlich müssen sich die Casinos Austria (Casag) und ihre Tochter Lotterien, die bis jetzt allein die „Lizenz zum Spielen“ hatten, erstmals mit Konkurrenz messen. Was die Nervosität im Team um Casag-Boss Karl Stoss spürbar steigen lässt.

Zumal das Geschäft mit dem Glück nicht mehr so läuft wie vor ein paar Jahren. Die Wirtschaftskrise, das Rauchverbot in vielen Ländern und vor allem das boomende Onlinespiel setzen dem Glücksspielkonzern heftig zu. 2010 ist die Auslandstochter Casinos Austria International (CAI), die bisher satte Gewinne ablieferte, erstmals tief in die roten Zahlen gerutscht und hat den Konzerngewinn von 56,4 auf 3,7 Mio. Euro schrumpfen lassen.

Die CAI, in der das Auslandsgeschäft gebündelt ist, sorgt mitten in den Vorbereitungen für die Bewerbung erneut für heftige wie unerwünschte Turbulenzen. Die beiden Langzeit-Geschäftsführer Paul Herzfeld und Josef Leutgeb haben über Nacht das Handtuch geworfen („Die Presse“ berichtete exklusiv am 18.Mai). Stoss übernimmt mit seinen Casag-Vorstandskollegen Bettina Glatz-Kremsner und Dietmar Hoscher auch die CAI-Führung und macht die Sanierung der zur Geldvernichtungsmaschine mutierten Gesellschaft zur Chefsache. Dabei soll ihm ein langjähriger Mitarbeiter zur Seite stehen, der das Auslandsgeschäft gut kennt: Alexander Tucek, bis vor Kurzem für die CAI in den USA tätig. Sein Engagement entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie: Herzfeld und Leutgeb wollten Tucek zur Jahreswende abservieren, Stoss holte ihn aber zurück – allerdings für andere Aufgaben.

Dies dürfte jedoch nur einer von vielen Punkten gewesen sein, in denen der Konzernchef und die CAI-Geschäftsführer nicht übereinstimmten. Es gilt als offenes Geheimnis, dass der Haussegen schon lange schief hängt und bei dem CAI-Duo die Loyalität zum Konzern einem großen Frust gewichen sein soll.

Stoss signalisierte Leutgeb schon Anfang 2009, dass er dessen Vertrag als damaliger Casag-Finanzvorstand nicht verlängern möchte. Statt reinen Tisch zu machen, ließ Stoss das ganze Jahr verstreichen – bis Leutgebs Vertrag einfach auslief. Danach war dieser nur mehr CAI-Manager. Im Vorjahr straffte Stoss erneut die Führung – Herzfeld verlor seine Funktion als Generaldirektor-Stellvertreter und war ebenfalls nur mehr fürs Auslandsgeschäft zuständig. Ganz abgesehen davon, dass sich Herzfeld nach dem Abgang von Leo Wallner selbst Hoffnungen auf den Chefposten gemacht hatte.

Als die Zeiten im Casinogeschäft härter wurden, die geplante Partnersuche für die CAI aber mangels Interessenten abgeblasen werden musste, standen die Zeichen auf Sturm. Die Luft wurde noch dicker, als das Jahresergebnis 2010 vorlag: 35,2 Mio. Euro Verlust ließen sogar beim Aufsichtsrat, der bisher eher unaufgeregt agierte, die Alarmglocken läuten. Die von Beobachtern erwartete – und von Stoss auch angedachte – Ablöse der beiden CAI-Manager kam aber nicht. Sie sollten die Suppe mit auslöffeln, die sie dem Konzern eingebrockt hätten, hieß es.

Ein rigoroses Sanierungskonzept sollte schon heuer ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bringen. Allerdings soll es just um die Sanierungsstrategie wieder zu Streitereien gekommen sein. Da dürften sich Herzfeld und Leutgeb wohl „rien ne va plus“ (nichts geht mehr) gedacht haben. Offiziell heißt es bei der Casag dazu nur „kein Kommentar“. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass der Abgang zum jetzigen Zeitpunkt den Konzern völlig am falschen Fuß erwischt habe. Denn angesichts der internationalen Lizenz-Ausschreibung seien solche Zores entbehrlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2011)