Grüne präsentieren heikles Hahn-Gutachten am Montag

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Zitieren nicht ausreichend gelernt - oder geschummelt? Grün-Abgeordnete Pilz vor Offenlegung von "eindeutigem" Gutachten zur Dissertation des österreichischen Kommissars der Europäischen Union, Johannes Hahn.

Für Johannes Hahn wird der Montag zum Schicksalstag: Dann wird der Grün-Abgeordnete Peter Pilz „Presse“-Informationen zufolge jenes Gutachten über Hahns Doktorarbeit präsentieren, mit dem er im Februar den Plagiatsjäger Stefan Weber beauftragt hat. Dieses sei „eindeutig“, heißt es bei den Grünen: Für Hahn sehe es nicht unbedingt gut aus. Pilz wollte nach der Guttenberg-Affäre in Deutschland Gewissheit, ob die Dissertation des heutigen österreichischen EU-Kommissars Hahn aus dem Jahr 1987 wissenschaftlich zulässig erstellt wurde oder ob ein Plagiat vorliegt. So ließ er Hahns Arbeit aus Philosophie über „Die Perspektiven der Philosophie heute – dargestellt am Phänomen Stadt“ von Weber noch einmal prüfen.

Schon 2007 hatte, nach einem Plagiatsverdacht Webers, Hahns Alma Mater, die Universität Wien, Auszüge der Arbeit vom Schweizer Philosophen Peter Schulthess untersuchen lassen. Dieser stellte zwar nachlässiges Arbeiten (etwa beim Zitieren/Belegen von Quellen) fest, allerdings kein Plagiat. Jetzt nahm sich Weber im Auftrag von Pilz (der zahlte dafür angeblich 5000 bis 10.000Euro von seinem „persönlichen Verfügungskonto“ oder aus der Parteikasse) die Arbeit noch einmal vor – diesmal allerdings alle 282Seiten.

Weber sagte zuletzt, während der Endphase seiner Prüfung, zur „Presse“, die Ergebnisse seien bereits klar. Er, Weber, habe diesmal etwa auch Einführungsbücher über das wissenschaftliche Arbeiten aus den 1980er-Jahren herangezogen, um einordnen zu können, ob Hahn „einfach das richtige Zitieren nicht gelernt oder tatsächlich geschummelt hat“. Die Schlussfolgerungen seien nun „präzise wie nie“.

Auch die Uni Wien lässt die Arbeit Hahns ein zweites Mal prüfen: Die bereits von Schulthess untersuchten Stellen seien wissenschaftlich vertretbar, von anderen Stellen könne man dies nicht automatisch annehmen. Die Uni wolle daher volle Transparenz – ohne das Ergebnis (ob zugunsten oder zulasten Hahns) vorwegzunehmen.

Hahn selbst hat gegenüber der „Presse“ schon früher betont, gäbe es neue Untersuchungen, sähe er dies „sehr gelassen“. – „Da wird das Gleiche herauskommen wie beim Gutachten 2007.“ Also: kein Plagiat, keine Konsequenzen. Läge Plagiat vor, könnte ihm seine Uni den Doktortitel aberkennen.

 

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2011)