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Penzing: Zwischen Pendlern und Prostituierten

(c) Clemens Fabry
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Penzing ringt mit allmorgendlichen Parkplatzproblemen der vielen Pendler, sucht Platz für neue Wohnbauten und leidet unter dem städtischen Nachtleben. An der Grenze zum 15.Bezirk floriert das Rotlichtgeschäft.

Wien. Es sind die ersten Eindrücke, die zehntausende Pendler Tag für Tag von Wien bekommen: der Stau, der sich von der Stadtgrenze kilometerweit entlang des Wienflusses zieht, die nervenaufreibende Suche nach kostenlosen Parkplätzen im Einbahngewirr rund um den Hütteldorfer Bahnhof. Das ist eines der vielen Gesichter von Penzing – jenem Bezirk, von dem selbst seine Bezirksvorsteherin sagt, „Wir sind die Westeinfahrt“.

Das Verkehrsthema begegnet einem hier auf Schritt und Tritt. Kein Wunder: Wer auf den wichtigsten Verkehrswegen des Landes, der Westautobahn oder der Westbahn, nach Wien kommt, muss durch diesen Bezirk.

Aber wer den 14. Bezirk nur auf diese Problematik reduziert, tut ihm unrecht: Zwar weist der viertgrößte Bezirk der Stadt mit seinen 84.362 Einwohnern die drittniedrigste Bevölkerungsdichte Wiens auf – das täuscht aber, weil fast zwei Drittel davon aus unbewohntem Waldgebiet bestehen, während sich die Bebauung auf dem verbliebenen Raum konzentriert. Und dort hat Penzing alle Probleme und Charakteristika einer Großstadt.

 

Hilferuf ans Rathaus

Dazu gehören etwa Erscheinungen des Nachtlebens, die man sich als Anrainer nicht wünscht: An der Grenze zum 15.Bezirk floriert beispielsweise das Rotlichtgeschäft: Anrainer könnten nicht mehr schlafen und Frauen sich in den entsprechenden Straßenzügen kaum bewegen, ohne angesprochen zu werden, schildert Armin Blind, Bezirksobmann der Freiheitlichen. Er und sein VP-Pendant, Franz Lerch, fordern von der Stadt, die Anbahnung von Prostitution im Wohngebiet zu verbieten. „Derzeit kann die Polizei nicht einschreiten, auch wenn sich Nachbarn belästigt fühlen“, sagt Lerch.

Eine weitere Folge der dichten Besiedlung und der hohen Grundstückspreise am Rand des Bezirks ist der Wunsch nach neuem Wohnbau. Gerade erst haben zwei Projekte Aufsehen erregt: einerseits der teilweise Abriss der „Stadt des Kindes“ im Ortsteil Weidlingau. Anstelle des 2002 geschlossenen Kinderheims entstehen derzeit Wohnanlagen. Andererseits wurde in den vergangenen Jahren regelmäßig die Bebauung des nordöstlichen Teils der Anlage des Otto-Wagner-Spitals mit Wohnungen diskutiert – 2012 soll der Bau beginnen (siehe Bericht rechts).

Trotzdem: Das Thema, das die Bezirkspolitik – sie hat übrigens keinen eigenen Sitz, sondern ist jenseits des Wienflusses im Hietzinger Amtshaus angesiedelt – am stärksten bewegt, ist der Verkehr. Neben der Belastung auf Westein- und -ausfahrt gelten auch die Gassen zwischen Bahnhof, Hütteldorfer Straße und Hanappi-Stadion als Problemzonen, weil dort allmorgendlich Pendler nach kostenlosen Parkplätzen nahe der U4 suchen.

Eine Situation, die sich mit der Park-and-ride-Anlage, die 2008 neben dem Bahnhof eröffnet hat, verbessert habe, sagt Bezirksvorsteherin Andrea Kalchbrenner (SP). Für eine Dauerlösung müsse man aber „an mehreren Schrauben drehen“.

Eine davon wäre die Stärkung des öffentlichen Verkehrs. Wie diese aussehen müsse, darüber klaffen die Meinungen im Bezirk auseinander: Während SPÖ und Grüne die S-Bahn künftig im 15-Minuten-Takt führen wollen, streiten FPÖ und ÖVP um die Urheberschaft der Idee, die U4 bis Auhof zu verlängern. Dort, so ihre Argumente, könnten Pendler umsteigen, ohne dicht besiedelte Gebiete zu belasten. Als weitere Maßnahme ist die Einführung der „Parkraumbewirtschaftung“ praktisch fix. SPÖ und Grüne haben beschlossen, die Einführung des „Parkpickerls“, mit dem das Parken in bestimmten Straßenzügen kostenpflichtig würde, eingehend zu prüfen. Nicht der ganze Bezirk soll betroffen sein, sondern nur Teile wie jene um den Hütteldorfer Bahnhof, erklärt Elisabeth Holzer, Klubobfrau der Bezirksgrünen.


Ende der Serie „Endstation“. Es sind erschienen: Ottakring (19.4.), Floridsdorf (22.4.), Donaustadt (28.4.), Favoriten (5.5.), Simmering (7.5.), Döbling (13.5.) und Liesing (17.5.).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2011)