Eines ist klar: Consultingunternehmen wollen nur die besten Absolventen – mit hervorragenden Noten, Praktikumserfahrung, Lösungskompetenz, Flexibilität und interessanten Persönlichkeiten. Mit dem Bakkalaureat haben sie nur bedingt Freude.
Einigkeit herrschte am Panel, was die Anforderungen an Berufseinsteiger angehen. Unterschiedlicher Ansicht waren die Unternehmensberater Klaus Malle (Accenture), Rupert Petry (Roland Berger), Marc Dahlke (Boston Consulting Group) und Werner H. Hoffmann (Contrast Management) bei der Uniport-Diskussion „Gut beraten?“ über die Chancen von Bachelor-Absolventen.
Die Antwort auf die Frage, was Consultingunternehmen von ihren neuen Mitarbeitern erwarten, fasst Klaus Malle prägnant zusammen: „Relevante, sehr gut absolvierte Hochschulausbildung kombiniert mit entsprechenden Praktika und Berufserfahrung“, sagt Malle. Lösungskompetenz, Flexibilität und Teamfähigkeit werden ebenso vorausgesetzt wie Interesse und Neugierde an immer neuen Projekten. Diese Meinung teilt auch Werner H. Hoffmann. Was für ihn zusätzlich zählt, ist eine „fundierte betriebswirtschaftliche Ausbildung“.
Die Vielfalt der Beraterprofile liegt Marc Dahlke am Herzen: „Sie ist uns wichtig, da die Beratungsbedürfnisse unserer Kunden ebenso vielfältig sind.“ Deshalb spiele die Studienrichtung eine untergeordnete Rolle: „Der Mix macht's – Wirtschaftswissenschaftler arbeiten ebenso bei BCG wie Maschinenbauer, Juristen und Geophysiker.“ Nicht zu unterschätzen, ist Dahlke überzeugt, sei ausgeprägte Kommunikationsstärke: „Denn auch die besten Inhalte kommen nur dann beim Kunden an, wenn sie verständlich vermittelt werden.“
Rupert Petry differenziert unterschiedliche Anforderungen an Absolventen und Quereinsteiger: „Von Studienabsolventen, also Juniorberatern, erwarten wir exzellente, internationale Ausbildung und Praktika. Daneben eine reife, interessante Persönlichkeit und soziale Intelligenz.“ Quereinsteiger, also Seniorberater, müssten zudem internationale Industrieexpertise und eine gereifte, überzeugende Persönlichkeit mitbringen, legt sich Petry fest.
Ob ein Bachelor-Abschluss ausreicht, um den Anforderungen an angehende Consulter gerecht zu werden, beantworten die vier Diskussionsteilnehmer etwas differenzierter. „Primär geht es uns darum, dass die Bewerber die richtige Qualifikation für die unterschiedlichen Positionen haben“, sagt Klaus Malle von Accenture. „Das kann ein Bakkalaureat in Kombination mit relevanter Berufserfahrung bzw. Praktika sein.“ Für manche Aufgaben aber sei das Magisterium eine Grundvoraussetzung. Werner H. Hoffmann bietet bei Contrast Management für beide Abschlüsse Jobmöglichkeiten an: „Für Bachelors gibt es unser Bachelor-Programm, verbunden mit dem Einstieg als Business-Analyst und für Absolventen mit Master-Abschluss den Einstieg als Berater.“
In Sachen Bachelor kommt von Rupert Petry und Marc Dahlke ein klares „Ja, aber“. „Wir stellen exzellente Bachelor-Absolventen sehr gerne als Praktikanten ein“, sagt Rupert Petry. Derzeit werde bei Roland Berger Österreich außerdem ein Consultant-Analyst-Programm eingeführt: „Bei diesem Programm können Bachelors für bis zu zwei Jahre Vollzeit bei uns arbeiten.“ Danach aber werde eine Rückkehr an die Universität dringend empfohlen, um den Master-Titel zu erlangen.
Auch für Marc Dahlke ist der Bachelor nur ein Steigbügel für die Welt des Consultings: „BCG bietet Bachelor-Absolventen ein Einstiegsprogramm an: Sie starten als Junior Associates und arbeiten zwei bis drei Jahre lang bei Kundenprojekten mit, um Erfahrungen zu sammeln.“ Danach aber sei Weiterbildung angesagt. Dahlke: „Den Master an einer Top-Universität zu erwerben, ist Voraussetzung für den Sprung auf die nächste Karrierestufe.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2011)