Die Deutschen spielen im Personalringelspiel um IWF und EZB keine Rolle mehr – sie dürfen nur zahlen.
KommentarChristine Lagarde hat also beste Chancen, ihrem Landsmann Dominique Strauss-Kahn auf den Posten des IWF-Chefs nachzufolgen. Dagegen ist nichts zu sagen. Außer vielleicht, dass die smarte Französin zu staatsinterventionistischen Ansätzen neigt und selbst ein wenig in eine unschöne Affäre verwickelt ist: Ihr droht eine Anklage wegen Amtsmissbrauchs.
Auch die EZB bekommt demnächst einen neuen Chef. Sie wird künftig vom Italiener Mario Draghi geführt.
Nicht vertreten im Personalringelspiel in internationalen Finanzinstitutionen ist also jenes Land, das derzeit die mit Abstand stärkste Konjunkturlokomotive stellt und damit den ganzen Zirkus zahlt: Deutschland. Beeindruckende Wirtschaftsdaten qualifizieren wohl nicht für Toppositionen in internationalen Finanzinstitutionen.
Ach ja, fast hätten wir es vergessen: Die Deutschen sind ja an dem Schlamassel, in dem Europa momentan steckt, schuld. Weil sie mit ihrer „Exportwut“, wie das die mögliche IWF-Chefin Lagarde einmal formulierte, alles niederbügeln. Der Vorwurf ist vor allem in der europäischen Linken Mainstream. Und auch der damit verbundene Lösungsansatz: Die Deutschen mögen einfach ein bisschen weniger arbeiten und exportieren, dann wird alles gut.
Eigentlich ist es nicht sehr beruhigend, dass eine Vertreterin solcher Voodoo-Ökonomie die wichtigste Finanzinstitution des Globus leiten soll.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2011)