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Analyse: Vor den Rapid-Fans zu oft in die Knie gegangen

Platzsturm in Hanappi-Stadion
(c) APA/HERBERT P. OCZERET (Herbert P. Oczeret)
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Die Westtribüne ist gespalten, die alte Hierarchie zerbröckelt. Die „Ultras“ haben eine noch radikalere Konkurrenz bekommen.

Nach den Szenen des Grauens herrschte in den Katakomben des Hanappistadions Rat- und Fassungslosigkeit. Rapid hatte das Ausmaß der Empörung einiger Fan-Gruppierungen schlichtweg unterschätzt, mit solchen Gewalttätigkeiten hatten die grün-weißen Funktionäre nicht gerechnet. Wieder einmal wurden sie von den gewaltigen Ereignissen überrumpelt, weil man im Verein zu lange an das Gute geglaubt hatte. Getroffen wurden Präsident, Präsidium und Vorstand mit voller Wucht, der Imageschaden ist enorm.

Die Bilder vom Platzsturm des Rapid-Mobs waren nicht nur in Österreich zu sehen, auch deutsche Medien berichteten in aller Ausführlichkeit. Verteidigungs- und Sportminister Norbert Darabos wandte sich mit Grausen ab, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer trat die Flucht an. Besonders unangenehm waren die Szenen der Gewalt Wiens Vizebürgermeisterin Renate Brauner. Sie war mit einer Handelsdelegation aus China nach Hütteldorf gekommen.

Dass Rapid-Fanatiker im Fall eines neuerlichen Misserfolges den Platz stürmen würden, das war eigentlich kein Geheimnis. Verhindert werden konnte es nicht. Viele dachten an einen Sitzstreik, geworden ist es ein bengalischer Krieg, Leuchtkugeln wurden ganz gezielt in den Austria-Sektor geschossen. Zurück blieb Verwüstung.

Randaliert wurde in den vergangenen Jahren in Eisenstadt, Graz, Kapfenberg und im Horrstadion, Rapid aber hat derzeit nur sechs verhängte Stadionverbote zu vermelden. Vier davon wegen Verstöße gegen das Pyrotechnik-Gesetz. Mit Stadionverboten allein, so die Meinung von Rapids Klubservice-Leiter Andreas Marek, könne man die echten Probleme nicht lösen. „Durch so etwas beginnt sich viel zu viel negative Energie in Bewegung zu setzen. Wir haben nichts davon, wenn ausgeschlossene Fans vor den Drehkreuzen zu Märtyrern werden."

In dieser Saison ist viel passiert bei Rapid. Vor allem hinter dem Tor, das gen Westen steht. Bereits vor Monaten war zu hören, dass sich der harte Kern der Stimmungsmacher gespalten hat. Die eingesessenen Rädelsführer, die hatte Rapid so halbwegs im Griff. Die „Ultras", die wenigstens Gesprächsbereitschaft zeigten, wurden von den verantwortlichen Funktionären auch nur selten an den Pranger gestellt.

Der Klub zeigte bisher viel Verständnis für die „Aktivitäten" dieser Fanatiker. Präsident Rudolf Edlinger vertraut auf seinen Andreas Marek. Auswärtsfanfahrten werden finanziell unterstützt, Abende organisiert, Abos zum Dumpingpreis verschleudert.

Neuerdings gibt es auf der Westribüne allerdings Gruppierungen, die auf die „Stimme Rapids" so ganz und gar nicht hören wollen. „Wir haben neue Gruppen bei uns, die machen uns das Leben schwer", muss Marek zugeben. Noch radikalere, noch gewalttätigere Burschen, die sich profilieren wollen.

Jetzt hat der Fußballklub die Kontrolle endgültig verloren. Die Vereinsführung hat zu lange zugesehen, ist in der Vergangenheit zu oft vor der „Westtribüne" in die Knie gegangen. Erst Rapid hat den Anhang hinterm Tor so stark gemacht, wie er sich heute fühlt.

Spieler, Trainer und Funktionäre sind in der Vergangenheit bereits bedroht worden, Konsequenzen wurden keine gezogen. Präsident Rudolf Edlinger muss jetzt kompromisslos durchgreifen, gegen die Übeltäter rigoros durchgreifen. Sonst läuft Rapid Gefahr, von einem Haufen vermummter Chaoten und Idioten diktiert zu werden.


wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Printausgabe vom 24. Mai)