Jessye Norman: „Ich singe für meine Ikonen“

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Der Opernstar kommt wieder einmal nach Wien. Das Programm im Konzerthauses heißt "American Masters“. Im Gespräch mit der "Presse" erzählt Norman, warum sie diesmal ausschließlich Broadway-Melodien singen wird.

"American Masters“ heißt das Programm, das Jessye Norman am Donnerstag (26. Mai) nach Wien zurückführt. Im Großen Saal des Konzerthauses steht Musik von Leonard Bernstein, Scott Joplin, Harold Arlen, Gershwin und Duke Ellington auf dem Programm. Für die Sängerin, die ihre große Karriere in den Opernhäusern der Welt in Opernpartien von Meistern zwischen Mozart und Wagner gemacht hat, gar kein ungewöhnliches Programm.
Die Norman schwebte stets zwischen den Stilen, sang Spirituals so gern wie Schönberg-Melodramen: „Wir bringen deshalb Musik vom Broadway“, bekennt die Künstlerin im Gespräch, „weil ich es für sehr wichtig halte, dass man endlich merkt, welch fantastische Komponisten dort tätig waren. Das Programm ist eine Art Hommage an meine Ikonen.“
Die Norman, die 1969 in Berlin debütierte, eroberte in den Siebzigerjahren sämtliche bedeutenden Häuser der Musiktheater-Welt. In den Schallplattenstudios sang sie nicht nur die großen Partien des Repertoires, die sie auch auf der Bühne verkörperte – von Verdis Aida bis zu Meyerbeers Afrikanerin oder Wagners Sieglinde. Für Schallplatte sang sie mit derselben Überzeugungskraft etwa auch damals völlig unbekannte Werke von Joseph Haydn – und auf den Konzertpodien immer auch jenes Repertoire, das man damals noch nicht „Crossover“ nannte, weil sich außer der Norman nur wenige Klassikkünstler darüberwagten.

Nur zwei Abende an der Staatsoper

In Wien gastierte die Norman allerdings nur für zwei Aufführungen von Strauss' „Ariadne auf Naxos“ in der Staatsoper. Wie man Karriere macht, hat die Künstlerin vorgezeigt. Freilich will sie ihren Nachfolgerinnen kaum gute Ratschläge mit auf den Weg geben – in einer Zeit, die doch recht anders zu sein scheint als damals, als sie sich von Michigan aus auf den Weg machte.
„Klar,“ sagt sie, „die ganze Welt ändert sich. Ich betrachte mich selbst auch nicht als Orakel. Am Ende muss ja doch jeder Künstler selbst seinen Weg finden: Im Verein mit Kollegen, zu denen man ein gutes Verhältnis hat und denen man vertraut, geht es aufwärts – vorausgesetzt, man hat Glück und ist vor allem bereit, hart zu arbeiten!“
Der Weg auf die internationalen Bühnen war Jessye Norman nicht vorgezeichnet: „Ich habe zuerst einmal Medizin studiert. Dass ich einmal mein Brot mit der Musik verdienen würde, das hätte ich mir nicht träumen lassen. Aber als ich dann sämtliche Wettbewerbe gewann, dachte ich mir: Vielleicht funktioniert das doch! Ich hatte wunderbare Professoren – und ich bin nach wie vor bereit zu studieren. Man sollte nie aufhören, Neues zu lernen.“
Von Anfang an hat die Norman alles aufgesaugt, was mit Musik zu tun hatte: „Als ich mein Engagement an der Berliner Oper antrat, bin ich jeden Abend, an dem ich nicht selbst auftreten musste, entweder in die Oper oder ins Konzert gegangen. Es war eine unglaubliche Zeit.“
Erinnerungen an die eigenen künstlerischen Glücksmomente? „O, es gab sehr viele unglaubliche Momente. Zu allererst der dritte Platz im Münchner Gesangswettbewerb der Rundfunkanstalten, da war ich noch fast ein Kind! Ein Jahr später bekam ich von Egon Seefehlner schon eine Einladung, die Elisabeth im ,Tannhäuser‘ zu singen. – Dann der Moment, als ich zum ersten Mal auf der Opernbühne stand. Das vergisst man natürlich nie. – Später die Season Opening Night in der Metropolitan Opera, aber auch die Marseillaise zur 200-Jahr-Feier der französischen Revolution in Paris. Die Liste ist wirklich lang. Und ich genieße jeden Moment, den ich auf der Bühne stehe und freue mich auf alles, was noch kommt.“

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