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Strauss-Kahns Frau: In guten wie in schlechten Zeiten

Ehepaar Strauss-Kahn
Strauss-Kahns Frau: In guten wie in schlechten ZeitenReuters
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Nach der Zimmermädchen-Affäre steht Ehepaar Dominique Strauss-Kahn und Anne Sinclair zum wiederholten Mal vor einer Bewährungsprobe. Wie immer ist sie mit ihrem exponierten Gatten fast reflexartig solidarisch.

Zuletzt waren alle Augen und Kameras auf Anne Sinclair, die Ehefrau von Dominique Strauss-Kahn, gerichtet, als sie aufrecht und mit Tochter Camille im Arm das Gerichtsgebäude von New York betrat. Niemandem entging ihr Lächeln der Erleichterung nach dem Ende der Verhandlung, bei der ein Richter anordnete, ihr Mann werde gegen Kaution und unter permanenter Bewachung bis zum Prozess in Hausarrest gesetzt.

Gefasst, selbstsicher und ohne Panik hatte zuvor Anne Sinclair mit dem Anwalt gesprochen. Sie will damit zeigen, dass sie nach New York gekommen ist, um die Verteidigung ihres Mannes zu organisieren. Dieser weiß, dass er sie mehr denn je braucht und auch, dass er auf sie zählen kann. Das dürfte dem Richter nicht entgangen sein. Sie wollte ihren Mann nicht in Sträflingskleidern sehen und im berüchtigten Gefängnis von Rikers Island besuchen, ist aber schon seit Montag in New York, der Stadt, in der sie 1948 als Enkelin des vermögenden Kunsthändlers Paul Rosenberg geboren wurde. Sie hinterlegt auch die Kaution von einer Million Dollar und liefert die verlangte Garantie von fünf weiteren.

Wie reagiert Anne Sinclair? Diese Frage stellten viele als Erstes, als bekannt wurde, dass ihr Mann in New York wegen des Verdachts der versuchten Vergewaltigung, sexuellen Belästigung und Freiheitsberaubung verhaftet worden war. Mit ein paar Zeilen antwortete sie im Internet knapp und bündig, sie glaube „keine Sekunde lang an die Anschuldigungen“. Wie immer ist sie mit ihrem exponierten Gatten fast reflexartig solidarisch.

AP

Anne ohne Dominique, und Dominique ohne Anne, das ist unvorstellbar“, beschreibt der mit beiden befreundete frühere französische Kulturminister Jack Lang das Paar. An Bewährungsproben mangelte es in der Vergangenheit nicht. Als 2008 die Liaison mit einer ehemaligen ungarischen IWF-Mitarbeiterin Schlagzeilen machte, verzieh ihm Anne Sinclair öffentlich den Seitensprung und erklärte in ihrem Weblog, sie liebe ihn „wie am ersten Tag“.

Als sie einander kennenlernten, war sie in Frankreich ein Star, er nur ein sozialistischer Nachwuchspolitiker. Millionen von Fernsehzuschauern bewunderten sie wegen ihrer politischen Sendung „7 sur 7“, in der sie mit strahlend blauen Augen kluge Fragen an ihre Gäste stellte.

1989 hatte sie den gleichaltrigen, aber fast unbekannten Sprecher der parlamentarischen Finanzkommission, Dominique Strauss-Kahn, eingeladen. Sie verliebte sich in den witzigen Wirtschaftsprofessor und Abgeordneten, der wie sie aus einer jüdischen Familie mit traditionellen Sympathien für die Sozialisten stammte. Zwei Jahre später versprachen sie sich bei der Heirat Treue und Beistand in guten und schlechten Tagen.

Als er 1997 vom sozialistischen Premierminister Lionel Jospin zum Wirtschaftsminister ernannt wurde, gab sie ihre politische Sendung bei TF1 auf, um so Interessenkonflikte zu vermeiden. Kaum zwei Jahre später kam DSK in einer Unterschlagungsaffäre unter Beschuss. Mit einer verbissen um die Zukunft seiner Karriere kämpfenden Anne Sinclair an seiner Seite reichte er seinen Rücktritt ein. Wenig später wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt. Trotz der Rehabilitierung tauchte er erst 2007 wieder aus der Versenkung auf, als er mit Unterstützung durch seinen politischen Gegner, den neuen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Generaldirektor des IWF wurde.

In Frankreich träumten viele schon von seiner Kandidatur gegen Sarkozy bei den Präsidentschaftswahlen von 2012. Anne Sinclair, daran bestand kein Zweifel, würde dabei wie früher jeweils bei lokalen Wahlen im Vorort Sarcelles ihren Charme und ihre Beziehungen zu Medien ausspielen. Der Triumph schien in Griffnähe, umso brutaler war dann der steile Absturz. Anne Sinclair will an die Unschuld ihres Ehemanns und an eine gemeinsame Zukunft glauben. Auf dem Spiel steht dieses Mal aber nicht nur die Frage seiner Schuld oder Unschuld, sondern auch die unverbrüchliche Liebe seiner Frau, deren Vertrauen und Nachsicht er mehrfach – und vielleicht einmal zu viel – auf die Probe gestellt hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2011)