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Wie (un)sicher sind Österreichs Stadien?

(c) APA/HERBERT P. OCZERET (HERBERT P. OCZERET)
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Nach Platzsturm im Hanappi-Stadion bisher 40 Anzeigen. „Hooligan-Touristen“ aus Nürnberg und Athen unterstützten heimische Randalierer. Polizeiexperte sieht Sicherheitsvakuum in den unteren Spielklassen.

Wien. Nach dem durch Rapid-Randalierer erzwungenen Spielabbruch im Wiener Derby vom vergangenen Sonntag dauert die Aufarbeitung des Einsatzes weiter an. Morgen, Donnerstag, wird es dazu einen ersten Sicherheitsgipfel zwischen Exekutive, ÖFB, Bundesliga und Rapid geben. „Die Presse“ beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Skandalspiel im Hanappi-Stadion.

1Wie ist der aktuelle Stand der Ermittlungen nach dem Platzsturm?

Nach anfänglich drei Anzeigen von Sonntagabend hat die Polizei durch die Videoaufzeichnungen nun schon mehr Randalierer identifizieren können. Zusammen mit noch nicht identifizierten Rowdys gab es bis Dienstagabend 40 Anzeigen. Bei mehr als der Hälfte handelt es sich um Verwaltungsübertretungen nach der Stadionordnung. Angezeigt wurden aber auch jene Personen, die mit Steinen Scheiben am Mannschaftsbus der Austria demoliert (Sachbeschädigung) sowie eine Polizistin mit einem bengalischen Feuer verletzt haben (Körperverletzung). Die Auswertungen der Videoaufzeichnungen dauern weiter an.

2Warum kommen Randalierer aus dem Ausland zum Wiener Derby?

Die Polizei bestätigte am Dienstag, dass unter den Platzstürmern auch Fans aus Griechenland und Deutschland waren. Das kommt daher, dass die Rapid-Ultras enge Freundschaften zu Ultras des FCNürnberg und zu jenen von Panathinaikos Athen pflegen. Ultras dieser beiden Gruppen kommen regelmäßig zu Spielen von Rapid nach Wien. Ebenso fahren Rapid-Ultras zu Spielen nach Nürnberg oder Athen. Dennoch dürften laut Augenzeugen die Ultras am Sonntag nicht an vorderster Front an der Stürmung des Spielfeldes beteiligt gewesen sein.

3Kann die Polizei nicht verhindern, dass Rowdys das Feld stürmen?

Generell wird das Innere des Stadions laut internationalen Vorgaben als „polizeifreie Zone“ gesehen. Um zu verhindern, dass aufgebrachte Fans das Spielfeld stürmen, sind die Ordner da. Beim Spiel Rapid gegen Austria ist auf zahlreichen Amateurvideos zu sehen, dass sich Ordner beim Platzsturm weggedreht haben oder einfach zur Seite gegangen sind. „Der Einsatz der Ordner ist ein Kritikpunkt, den wir auf jeden Fall anbringen werden“, erklärt Michael Neugebauer, Leiter der Abteilung für Sportangelegenheiten im Innenministerium (BMI).

4Wie steht es generell um die Sicherheit in heimischen Stadien?

Laut Neugebauer haben die Experten des BMI in Sicherheitsfragen, die die Stadien betreffen, einiges mitzureden. Es gibt Vorgaben an Standards der Uefa und der Bundesliga, die umgesetzt werden müssen. Neugebauer sieht das Sicherheitsproblem aber nicht in der Ersten und Zweiten Liga. „Das wahre Problem liegt in den Regionalligen.“ Und hier sei es vor allem die Regionalliga West: „Da haben wir massive Probleme, vor allem im Bereich der Sektorentrennung.“ Aber auch mit Fans: So wurde etwa Ende Oktober das Spiel Union Innsbruck gegen Austria Salzburg behördlich untersagt. Die Gewaltbereitschaft bei Fans einiger Vereine dieser Liga ist enorm.

5Welche Vorschläge kommen aus der Politik?

Sportminister Norbert Darabos (SP) kann sich eine Ausweispflicht für Dauerkartenbesitzer oder Stadienverbote auf Lebenszeit vorstellen. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (VP) will über effizientere Stadionverbote nachdenken. Vermummungsverbote werden ebenfalls in Polizeikreisen diskutiert. Die Grünen wollen, dass bei derartigen Vorfällen die Klubs verstärkt (etwa durch Punkteabzüge) sanktioniert werden. Peter Westenthaler (ehemaliger Bundesliga-Vorstand, jetzt BZÖ) sieht die Bundesliga als Teil des Problems. Zurückhaltend ist die FPÖ: Die Ausschreitungen würden keine Verschärfungen notwendig machen, meint FP-Justizsprecher Peter Fichtenbauer.

6Befürchtet die Polizei auch heute Abend Ausschreitungen?

Um 20.30Uhr startet in der Generali-Arena (ehemals Horr-Stadion) das Schlagerspiel der letzten Bundesliga-Runde Austria Wien gegen Salzburg. Die Exekutive wird, wie am Sonntag in Hütteldorf, wieder in Hundertschaften aufmarschieren. Dennoch rechnet Franz Semper, Leiter der Einsatzabteilung im Landespolizeikommando, nicht mit Ausschreitungen im Stadion.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2011)