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Schatten über dem Meisterschaftsfinale

(c) APA/ANDREAS PESSENLEHNER (ANDREAS PESSENLEHNER)
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Handspiel des Wr. Neustädters Edin Salkic hat ein Nachspiel, es erfolgte eine Anzeige wegen Betrugs. Sturm Graz kann sich heute mit einem Sieg gegen Wacker Innsbruck zum Meister küren.

Wien. Das Image des österreichischen Klubfußballs ist schwer angeschlagen. Gewaltbereite Chaoten erzwangen im Derby einen Spielabbruch im Hanappistadion, nun ist eine Partie, die im Titelkampf eine entscheidende Rolle spielt, in ein schiefes Licht geraten. Nicht ausgeschlossen, dass der Kampf um den Meistertitel vor Gericht ein Nachspiel hat und dort entschieden wird. Denn bei der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt ist gestern eine Anzeige (von einer Privatperson) wegen Verdachts des Betrugs eingegangen.

Unter Verdacht geraten ist die Partie zwischen Wr. Neustadt und Sturm Graz, ein kurios wirkendes Handspiel eines Spielers der Gastgeber hat die Partie letztlich zugunsten der Steirer entschieden. Die Vorgänge rund um das Hands von Edin Salkic, das zum entscheidenden Elfmeter geführt hat, werden nun weiter untersucht.

Noch ist das Ergebnis des Spiels nicht wirklich beglaubigt, denn bei außerordentlichen Umständen – Manipulation zählt etwa dazu – kann das Resultat von einem der beiden beteiligten Vereine noch einmal angefochten werden.

 

Schöttel: „Wollen Klarheit“

Im Fall Salkic sind in den vergangenen Tagen Manipulationsvorwürfe aufgetaucht, der Spieler selbst beteuert seine Unschuld. Der Stürmer zeigt sich kooperativ, er würde sogar seine Konten und Telefondaten offenlegen. Sein Trainer Peter Schöttel begrüßt diesen Schritt, er hofft auf ein Verfahren. „Wir wollen alle, dass Klarheit herrscht. Wenn jemand nichts zu verbergen hat, dann wird er froh sein, wenn die Sache restlos aufgeklärt wird. Ich wünsche ihm, dass es wirklich ein Blackout war. Im Spiel hat es schon schlimm ausgesehen...“ Für das heutige Spiel in Mattersburg wurde Salkic nicht in den Kader berufen. Eine kurzfristige und einmalige Entscheidung, wie Manager Alexander Gruber betont. An eine Auflösung seines Vertrags (bis 2012) sei nicht gedacht.

Eine Hand auf dem Meisterteller hat Sturm Graz, im Heimspiel gegen Wacker Innsbruck (20.30 Uhr, ORF eins, Sky) hat man es selbst in der Hand, den dritten Titel nach 1998 und 1999 zu erobern. Die Steirer liegen mit zwei Punkten vor der Wiener Austria, haben obendrein die um zwei Treffer bessere Tordifferenz. „Wir haben jetzt sechs Endspiele erfolgreich absolviert“, sagt Trainer Franco Foda. „Und jetzt sind wir ganz fokussiert auf den siebenten Sieg.“

Aus Foda spricht eine gewisse Vorfreude, aber da ist auch eine riesige Portion Anspannung zu spüren. Für den Deutschen, der schon als Spieler in Graz glücklich geworden ist, wäre ein weiterer Erfolg die Krönung seiner bisherigen Trainerlaufbahn.

(c) DiePresse

Ex-Sturm-Präsident will ehren

Der echte Meisterteller, der steht jedenfalls in der UPC-Arena parat. Sollte Sturm Graz die Meisterschaft als Erster beenden, dann würde Hans Rinner als Bundesliga-Präsident zur Tat schreiten. Eine besondere Ehre für den ehemaligen Präsidenten von Sturm Graz. Georg Pangl, der Bundesliga-Vorstand, rückt mit einer Kopie des Meistertellers im Wiener Horrstadion an.

Auch die Austria ist ganz auf Sieg eingestellt, muss jedoch auf einen Umfaller der Steirer hoffen. Die Wiener sind zum Außenseiter im Titelrennen geworden. Das bewertet Trainer Karl Daxbacher als positiv. „Wir müssen nicht nervös sein – wir können nur gewinnen und nichts verlieren.“ Mit der Erreichung des Europacup-Platzes hat sich der Vertrag des Trainers automatisch verlängert, in der kommenden Saison will man wieder voll angreifen. „Schauen wir nur auf das Salzburg-Spiel, alles andere können wir nicht beeinflussen.“ Was immer passiert, nach Spielende werden die Tore geöffnet, die Fans dürfen den Rasen betreten.

Die Chancen der Salzburger sind eher nur theoretischer Natur, Trainer Moniz appelliert jedoch an die Ehre der Spieler. „Jetzt ist Charakter gefragt.“ Im Sommer wird der Kader abgespeckt, Afolabi und Co. können ihren Koffer packen.

Chancenlos ist mittlerweile Rapid, Interimstrainer Zoran Barisic will sich wenigstens mit einem Erfolgserlebnis beim Tabellenletzten und Absteiger Lask verabschieden. „Aber dazu soll die Mannschaft nach den jüngsten Vorfällen einmal den Kopf frei bekommen.“

 

Kavlak zu Beşiktaş Istanbul

Nicht dabei in Linz ist auch der angeschlagene Veli Kavlak. Österreichs Nationalspieler steht in intensiven Verhandlungen mit Beşiktaş Istanbul, ein Transfer in die Türkei zum aktuellen Pokalsieger, bei dem auch Ekrem Dag spielt, gilt bereits als beschlossene Sache. Rapid, so hört man, soll für Kavlak (Vertrag bis Jahresende) rund 500.000 Euro Ablöse kassieren.

Inzwischen laufen die Auswertung der Videoaufnahmen der Ausschreitungen im Hanappistadion auf Hochtouren. Bisher hat die Polizei nach dem abgebrochenen Derby rund 40 Anzeigen (Widerstand gegen die Staatsgewalt, schwere Körperverletzung) erstattet. Die Polizei bestätigte gestern, dass unter den Platzstürmern auch Fans aus Griechenland (Panathinaikos, Gate 13) waren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2011)