Bregenzer Festspiele: Roland Geyer an den Bodensee

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Ab 2015 wirkt der Intendant des Theaters an der Wien als Festivalleiter in Bregenz. David Pountney übersiedelt bereits 2014 nach Cardiff. Roland Geyer ist seit Jahren im Kulturmanagement tätig.

Roland Geyer wird Intendant der Bregenzer Festspiele ab 2015. Dass ihn die Aufgabe interessieren würde, hat der amtierende Intendant von Wiens „drittem Opernhaus“, dem Theater an der Wien, nie bestritten. Bereits als erste Gerüchte über eine mögliche Übersiedlung in den Westen Österreichs lanciert wurden, sprach er ausdrücklich von einer „interessanten Aufgabe“.

Nun ist es amtlich: Geyer wird diese „interessante Aufgabe“ übernehmen. Die Bregenzer Festspiele präsentierten den 58-jährigen Wiener gestern, Dienstag, als Nachfolger von David Pountney, der Bregenz nach einem eigenwilligen Verwirrspiel bereits 2013 verlassen wird.

David Pountneys Verwirrspiele

Ursprünglich wollte man einen Nachfolger bereits für 2014 suchen, doch Pountney betrieb mit den Bregenzern ein Katz-und-Maus-Spiel. Als ruchbar wurde, dass Festspielpräsident Günter Rhomberg einen Nachfolger für ihn zu suchen begonnen hatte, beharrte er auf einer Vertragsverlängerung und bewarb sich erneut. Daraufhin verlängerte man seine Amtszeit bis 2014. Wenige Wochen nach der Bestätigung dieser Entscheidung gab Pountney bekannt, doch Abschied zu nehmen. Er wird Leiter der Walisischen National-Oper in Cardiff. Nun müssen die Bregenzer Festspiele für den Sommer 2014 ein Intermezzo programmieren. Dafür, so hieß es bei der Pressekonferenz am Dienstag, lägen bereits „Lösungen vor“, die allerdings noch der Zustimmung durch das Führungsgremium harrten.

Roland Geyer soll mit Sommer 2015 für das Programm verantwortlich sein. Ein Jahr später endet sein Vertrag als Chef des Theaters an der Wien, wobei die Planungen für die Saison 2015/16 in diesem Haus bereits so gut wie abgeschlossen sind.

Geyer hat zuletzt bereits angedeutet, für den Fall seiner Übersiedlung nach Bregenz durchaus einschneidende künstlerische Veränderungen für das Festival am Bodensee zu planen. Seit den legendären Tagen des langjährigen Festspielchefs Alfred Wopmann hat sich die Struktur der Bregenzer Festspiele nicht stark verändert. Die Ära David Pountney wird jedenfalls nicht durch bemerkenswerte Innovationen in die Annalen eingehen.

Roland Geyer ist seit Jahren im Kulturmanagement tätig. Als Geschäftsführer der Musikalischen Jugend veranstaltete er in den späten 1980er-Jahren erstmals eigene „Jeunesse“-Festivals. Damit brachte er es zum Intendanten des Sommerfestivals „Klangbogen“, der Nachfolge-Institution des langjährigen „musikalischen Sommers“ der Stadt Wien. Kultur-Stadträtin Ursula Pasterk schuf für Geyer in jener Phase dann den Titel eines städtischen „Musik-Intendanten“. Damit war der Manager in der Rathaus-Nomenklatura gefestigt genug, um der logische Kandidat für die Leitung des Theaters an der Wien zu werden.

Mit Rückwidmung der traditionsreichen Bühne von einer hochsubventionierten Spielstätte von Kommerzmusicals zum Opernhaus im Jahr 2006 übernahm Geyer das Ruder im Direktionsbüro der Uraufführungsstätte von Beethovens „Fidelio“, Lehárs „Lustiger Witwe“ und Johann Strauß' „Fledermaus“. Als Wiens „dritter Operndirektor“ landete er mehrheitlich umjubelte Erfolge mit breitem Repertoire zwischen Barock und musikalischer Moderne.

Hinterhäuser ins „Theater an der Wien“?

Viel diskutiert wurden Geyers mutige Spielplan-Entscheidungen, die selbst wenig bekannte Werke zu Publikumsrennern machte. Zuletzt musste etwa die von Bertrand de Billy dirigierte Produktion von Francis Poulencs „Gespräche der Karmeliterinnen“ wegen der enormen Nachfrage wiederaufgenommen werden.

Als Kandidat für die Geyer-Nachfolge an der Wien wurde hinter vorgehaltener Hand am Dienstag mehrheitlich der Name des diesjährigen Salzburger Festspielchefs, Markus Hinterhäuser, genannt. Von der Stadt Wien bereits zum Nachfolger Luc Bondys als Leiter der Wiener Festwochen designiert, könnte Hinterhäuser mit dem Haus an der Wienzeile die traditionelle Spielstätte der Festwochen auch übers Jahr betreuen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2011)

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