Erwin Pröll will es in Niederösterreich noch einmal wissen. Auch Michael Häupl könnte als Bürgermeister von Wien doch noch einmal antreten, hört man im Rathaus. Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Herren.
Wien. Es einen sie die Macht, eine enge Freundschaft über die Parteigrenzen hinweg und viele gemeinsame Anliegen: Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll und Wiens Bürgermeister Michael Häupl regieren seit einer halben Ewigkeit und symbolisieren den Hegemonieanspruch der Bundesländer in Österreich. An ihnen scheiterten auch schon die eigenen Parteichefs, zuletzt etwa Alfred Gusenbauer in der SPÖ und Erwin Prölls Neffe Josef in der ÖVP. Beide konnten freilich auch nicht auf eine große Erfolgsbilanz verweisen.
Nun gibt es eine weitere Gemeinsamkeit der beiden lebenslustigen Herren: Beide könnten noch einmal in ihren Bundesländern antreten. Bei Erwin Pröll steht das de facto fest, wie in St.Pölten und Prölls Heimat Radlbrunn bestätigt wird. 2013 will es der niederösterreichische Landesvater auf jeden Fall noch einmal wissen. Nur so könnte er theoretisch sein eigentliches politisches Lebensziel im zweiten Versuch erreichen: dass er als ÖVP-Kandidat 2016 doch noch die Hofburg erobert. Dann wäre er 69. Als Landeshauptmann hätte er Chancen, als Politikpensionist kaum.
Doch auch Michael Häupl, über dessen Nachfolge offen spekuliert wurde und wird, kann sich dem Vernehmen nach plötzlich wieder vorstellen, noch ein paar Jahre anzuhängen. Häupl genießt nämlich privat wie beruflich gerade seinen dritten Frühling. Vergangene Woche hat er zum dritten Mal geheiratet. In der Politik läuft die Zusammenarbeit mit den Grünen so problemlos, dass in beiden Parteien fast Verwunderung darüber herrscht. Die Grünen bringen der SPÖ etwas völlig Neues: Ideen und Diskussionen.
Häupls 20-Jahr-Jubiläum als Bürgermeister würde übrigens schon 2014 gefeiert, das würde er schon gern im Amt erleben, heißt es. Damit wäre eine mögliche Übergabe der Wiener SPÖ und damit des Bürgermeistersessels vor der Nationalratswahl unmöglich.
Enttäuschte Nachfolgekandidaten
Dies war aber eigentlich der Zeitablauf, auf den sich viele im Rathaus eingestellt haben – nicht zuletzt die möglichen Nachfolger. Ob er dann 2015 tatsächlich noch einmal zur Wiener Gemeinderatswahl, es wäre seine fünfte, antritt, hängt natürlich von seiner Gesundheit ab; neuerdings betreibe er aber regelmäßig Sport, heißt es. Er wäre 66 Jahre alt, in China begännen dann erst die wahren politischen Karrieren, so ein Scherz, der im Rathaus erzählt wird.
Intern könnte ein Abgang des Chefs ebenso wenig erzwungen werden wie der Prölls in Niederösterreich: Kein Herausforderer ist stark genug. Dass sich mögliche Rivalen zusammentun, gilt als höchst unwahrscheinlich. Im Wien kommt noch ein mögliches Szenario hinzu: Vom Rathaus wird jeder Spielzug des SPÖ-Bundeskanzlers Werner Faymann genaustens beobachtet. Noch immer hält sich das Gerücht, Faymanns eigentlicher Traumjob sei nicht der Kanzler in einer schwachen Bundesregierung, sondern der des Bürgermeisters. Und das wiederum könnte nur Häupl verhindern.
Vor allem aber geht es dem Bürgermeister um die Geschichte: Sein Traumziel war es, die absolute Mandatsmehrheit zu halten, im Vorjahr scheiterte er daran, in vier Jahren könnte er versuchen, sie zurückzuerobern. Er hat sie schon verloren und wieder nach Hause gebracht. Und: Wenn er dank Rot-Grün in Wien dieser Tage innovativer und moderner wirkt als etwa Werner Faymann mit Michael Spindelegger im Bund, dann streichelt das Häupls gewaltiges Ego mehr als andere. Warum sollte er das eigentlich aufgeben?
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2011)