Bernd Bienert, der für originelle Bühnenkreationen gut ist, präsentiert die Endfassung seines Bewegungstheater-Projekts „The Puzzled Wife“ in Wien. Es entsteht in mehreren Stufen vor den Augen der Zuschauer.
Österreichische Ikonen: eine Monarchin, eine Schauspielerin und eine Schriftstellerin – irgendwie haben alle drei miteinander etwas zu tun; zumindest im Assoziationstheater des gelernten Österreichers. Und im Assoziationstheater des Bernd Roger Bienert, der stets für originelle Bühnenkreationen gut ist. Das Publikum darf nun rätseln, um welche drei Damen es sich handelt – es wird fündig werden bei Betrachtung von Bienerts jüngstem Werk. Es heißt „The Puzzled Wife“ und entsteht in mehreren Stufen vor den Augen der Zuschauer. Die letzte Ausbaustufe erreicht das Stück dieser Tage im Kosmos-Theater (und einmal auch, eigens dafür adaptiert, in der Ankerbrot-Fabrik).
Bienert, der als Tänzer und Choreograf mit legendären Staatsopern-Produktionen wie „Alpenglühn“ und „Rads Datz“ begonnen hat, ist längst auch zum Autor der eigenen Stücke geworden. Elfriede Jelinek war einst bei verschiedenen Gelegenheiten seine Muse und Textlieferantin. Das merkt man durchaus, wenn Bienert mit Worten jongliert wie mit den Gliedmaßen seiner Tänzer in den originellen Tanzstücken, von denen nach den Wiener Anfängen die meisten im Ausland ihre Premieren erlebten – voran die atemberaubend dichten Werke nach Mozart'schen Klavierkonzerten und dem Requiem.
„The Puzzled Wife“ geht nun einen Schritt weiter und generiert die Musik ebenso wie die choreografische Bewegung aus der Textvorlage. Die bis dato vorletzte Entwicklungseinheit zeigte den virtuosen Sprecher und Darsteller Hans Dieter Knebel mit einem brillant-witzigen Solo im Kunstforum. Dort modellierte er in einem Redefluss aberwitzige Bildverknüpfungen zu Porträts prominenter Frauengestalten und ließ diese in einem Sprachvexierspiel ineinanderfließen.
Mit den künstlerischen Mitteln der gehörlosen Gebärdendarstellerin Alice Xiaoshu Hu wird nun das Wortkonglomerat in ein Tanztheater für fünf Solistinnen verwandelt, für das wiederum Bruno Liberda die Musik geschaffen hat. Sämtliche künstlerischen Parameter werden also in gegenseitiger Befruchtung auseinander entwickelt.
Begehbare Tanzinstallation
„Im Vordergrund“, erläutert Bienert, „stehen Bewegungsfindungen, die durch die Zeichen der Gebärdensprache erweitert und in der jeweils persönlichen Interpretation zurück in den Raum geworfen, dort aufgegriffen und getanzt werden.“
Ziel ist die „begehbare performative Rauminstallation aus Wort und Bewegung“ in der ehemaligen Anker-Expedithalle, bei der das Publikum sich frei bewegen und selbst die Perspektive wählen kann.
Kosmos-Theater, 1070, Siebensterngasse 42: 27. und 28. Mai sowie 1.–4. Juni; Ankerbrot-Fabrik, 1100, Puchsbaumgasse 1: 6. Juni (20.30 Uhr) – www.oeticket.com