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Vorsorgefonds: Zahlen fürs Nichtstun

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Die "prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge", das von Ex-Minister Grasser forciert wurde, hat sich wenig bewährt. Viele Vorsorgefonds wurden falsch konzipiert und verloren stark an Wert. Schlecht für die Anleger.

Wien. Wer darauf vertraut, dass der Staat seinen Bürgern in 20 oder 30 Jahren eine ordentliche Pension auszahlt, geht ein großes Risiko ein. Zu schwach sind die heutigen Politiker, um ordentliche Reformen des Pensionssystems durchzuführen, monieren viele Ökonomen.

Aus diesem Grund sollte man auch eine private Pensionsvorsorge aufbauen, warben ironischerweise Politiker vor einigen Jahren. Allen voran der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Aber damit haben viele Anleger – auf „gut Deutsch“ gesagt – in den „Gatsch“ gegriffen. Das Modell der „prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge“ (PVZ), das von Grasser forciert wurde, hat sich in vielen Fällen nicht bewährt.

 

Fataler Konstruktionsfehler

Dabei hatte das Modell bei dessen Einführung nicht schlecht geklungen: Die Anleger zahlen regelmäßige Beiträge in einen Vorsorgefonds ein. Dieser Fonds veranlagt das Geld zu (damals) mindestens 40Prozent in Aktien. Sorgen vor möglichen Finanzkrisen muss man nicht haben, schließlich werden diese Produkte mit einer Kapitalgarantie ausgestattet. Und damit viele Kunden angelockt werden, unterstützt der Staat die Anleger mit einem Prämienzuschuss.

Heute stellt sich heraus, dass es einen gewaltigen Haken bei der Sache gab. Viele dieser Fonds, die vor allem in den Jahren 2003 und 2004 eingeführt wurden, waren falsch konzipiert. Sie sahen Laufzeiten von nur zehn bis 15 Jahren vor. Einen Einbruch der Aktienkurse wie 2008 konnten diese Fonds nicht überstehen. Nach dieser Krise mussten die Fondsmanager die Aktienquoten aus den Fonds streichen und investieren seither nur mehr in risikolose Papiere, um zumindest die Kapitalgarantie gewährleisten zu können. Im schlimmsten Fall zahlen also die Anleger bis zum Ende der Laufzeit den Fondsmanagern jährliche Gebühren von 1,5 bis 2,5Prozent – quasi fürs Nichtstun.

Denn diese Fonds haben ohnehin keine Performance mehr, deren Kurse laufen lediglich seitwärts (sie sind „ausgestoppt“, sagt man im Fachjargon). Da können die Börsen in der Zwischenzeit um 900Prozent steigen – daran ändert das nichts mehr.

 

Welcher Fonds ist „ausgestoppt“?

Zwar fließt in dieses Vorsorgeprodukt auch Steuergeld in Form der staatlichen Prämienförderung. Die heimische Finanzmarktaufsicht (FMA) weigert sich bisher dennoch beharrlich, die ausgestoppten Fonds zu veröffentlichen.

Kein Problem: Ob ein Fonds ausgestoppt ist, kann man am besten anhand der Kursentwicklung nachvollziehen. Das trifft dann zu, wenn der Fondskurs seit März 2009 (also nach dem Ende des Börseneinbruchs) nur seitwärts verlief. Davon ist etwa der Vorsorgeplus PIA 2013(Isin: AT0000649769) betroffen. Das Produkt wird von Pioneer Investments verwaltet. Der Kurs ging ab dem Sommer 2007 binnen eineinhalb Jahren um rund 25Prozent zurück. Seither gab es keinen Kursanstieg mehr, der Chart verläuft fast wie eine gerade Linie seitwärts. Zum Vergleich: Der Wiener Leitindex ATX stieg seit März 2009 um 90Prozent an. Der Raiffeisen Pensionsfonds2003 (Isin: AT0000654603) hatte das gleiche Problem. Die Verantwortlichen von Raiffeisen Capital Management beteuern zwar, dass der Fonds wieder in Aktien investieren kann. Dennoch: Seit Anfang 2009 liegt die Performance bei annähernd null Prozent.

 

Alternativen suchen

Die Kunden von „ausgestoppten“ Vorsorgefonds haben ein Problem. Kündigen sie den Vertrag vor der Mindestlaufzeit von zehn Jahren, müssen sie teils hohe „Kündigungspönalen“ berappen. In diesem Fall empfiehlt es sich, einfach während der Mindestlaufzeit keine Prämien mehr einzuzahlen (ein Tipp: Die Kunden sollten trotzdem beim jeweiligen Anbieter nachfragen, ob mit dieser Prämienfreistellung keine weiteren finanziellen Nachteile verbunden sind).

Die Anleger müssen auch nicht gänzlich auf die PVZ verzichten. Nicht alle Fonds sind schlecht, sprich „ausgestoppt“. Etwa der Apollo32(Isin: AT0000642483), der von der Security KAG verwaltet wird. Der Fondskurs brach zwar in der Krise um mehr als 35Prozent ein. Da die Laufzeit mit 25 Jahren aber deutlich länger ist, wurde der Fonds nicht ausgestoppt und machte die Rallye an den Börsen mit. Der Fondskurs steht heute fast wieder auf dem Niveau von vor der Finanzkrise.

Der Austro Garant der Volksbank Investments(Isin: AT0000647383) und der Ringturm Zukunftsvorsorge Aktienfonds der Wiener Städtischen Versicherung(Isin: AT0000659644) überstanden die Krise auch ohne Ausstoppung. Deren Perfomance liegt aber noch deutlich unter dem Niveau von Sommer 2007.

Was Sie beachten sollten bei... staatlich geförderten Vorsorgefonds

Tipp1

Welche Fonds sind ausgestoppt? Ob ein Fonds ausgestoppt ist, kann man anhand der Kursentwicklung nachvollziehen. Betroffen ist ein Fonds dann, wenn dessen Kurs seit März 2009 nicht anstieg und der Chart stattdessen nur seitwärts verlief. Das ist etwa bei Produkten von Pioneer Investments oder der Erste Sparinvest der Fall.

Tipp2

Fonds wechseln. Wenn ein Anleger seinen Vorsorgefonds vor Ablauf der Mindestlaufzeit von zehn Jahren kündigt, fallen hohe Spesen an. Stattdessen sollte man einfach keine Prämien mehr einzahlen (Prämienfreistellung). In der Zwischenzeit können die Kunden auf bessere Vorsorgefonds setzen (siehe Artikel unten).

Tipp3

Kurze Laufzeiten. Misstrauisch sollte man werden, wenn ein staatlich geförderter Vorsorgefonds eine Laufzeit von nur zehn bis 15 Jahren hat. Sollte es wieder zu einem Aktieneinbruch kommen, werden solche Fonds mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgestoppt. Bei derartigen Vorsorgefonds braucht man eine Laufzeit von mindestens 20 Jahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2011)