Der libysche Staatsfonds hat offenbar 1,3 Milliarden Euro bei der französischen Großbank angelegt - und machte herbe Verluste.
Das Regimes des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi hat nach Informationen von "Le Monde" knapp 1,3 Milliarden Euro bei der französischen Großbank Societe Generale investiert. Das Geld sei in verschiedenen Fonds in Form von komplexen Produkten angelegt, berichtete "lemonde.fr" unter Berufung auf Dokumente des libyschen Staatsfonds, der Libyan Investment Authority (LIA) am Donnerstag. Wegen herber Verluste eines von drei Fonds betrage der Wert heute noch etwa eine Milliarde Euro. "Dies zeigt einmal mehr, dass Diktatoren ihr Guthaben durchaus bei renommierten Geldinstituten anlegen können, die sich nicht weiter darum kümmern, ob es sich um eine Veruntreuung öffentlicher Mittel handelt", schreibt "Le Monde".
Der Verkauf der Geldanlagen sei durchaus legal gewesen, allerdings habe die Bank das Guthaben verschwiegen, als Anfang 2011 finanzielle Sanktionen gegen das libysche Regime verhängt wurden, heißt es weiter. Societe Generale wollte den Bericht nicht kommentieren.
Die LIA, die die Öleinnahmen Libyens verwaltet, hat den Dokumenten zufolge außerdem 335 Millionen Dollar (236 Millionen Euro) bei der britischen Bank HSBC und bei der amerikanischen Bank Goldman Sachs investiert.
Angeblich Anteile an Wienerberger
LIA ist offenbar auch in Österreich aktiv: Nach Angaben des ehemaligen Vize-Chefs Mustafa Zarti ist der Staatsfonds mit rund zwei Prozent am weltgrößten Ziegelhersteller Wienerberger beteiligt.
Insgesamt verfügt der 2006 gegründete Staatsfonds über ein Volumen von rund 70 Milliarden Dollar, schreibt die "Süddeutsche.de". Besonders aktiv war die LIA offenbar in Italien, wo Gaddafi bis vor kurzem noch ein gern gesehener Gast war.
Der Staatsfonds kaufte dort unter anderem Anteile am Fußballverein Juventus Turin, am Autohersteller Fiat und an der Mailänder Unicredit-Bank.
Beobachter nehmen an, dass sich der Gaddafi-Clan zumindest zeitweise aus den Ressourcen des Staatsfonds bediente, um den Krieg gegen Aufständische zu finanzieren.
(APA/Red.)