Sein Wagnerfreies Jahr weiß
Christian
Thielemann
wohl zu nutzen –
als musikalischer
Leiter der
Neuinszenierung
„Die Frau ohne
Schatten“ von
Richard Strauss.
Richard Strauss ist jener Komponist, mit dessen Werken sich der Dirigent Christian Thielemann am liebsten dem Publikum vorstellt. Seine Debüts im Wiener Musikverein und im Salzburger Festspielhaus – jeweils am Pult der Wiener Philharmoniker – feierte er mit Strauss’schen Tondichtungen.
Dass er nach der atemberaubenden Aufführung des „Heldenlebens“ im Sommer nun nach Salzburg zurückgekehrt ist – übrigens erneut mit Richard Strauss (dem „Zarathustra“, „Don Juan“ und Orchesterliedern, gesungen von Thomas Hampson) –, liegt an den Verpflichtungen, die der Künstler seinem „anderen“ Lieblingskomponisten gegenüber eingegangen ist: Als Hauptdirigent der Bayreuther Festspiele betreute er zuletzt über Jahre hin den gesamten „Ring des Nibelungen“ und wird auch in den folgenden Jahren den Wagner- Festspielen die Treue halten.
Das eine Wagner-freie Jahr nützt man für ein mit Spannung erwartetes Salzburger Comeback – das natürlich auch eine Rückkehr zu Richard Strauss mit sich bringt. Die Werke des Festspiel- Mitbegründers haben ja von Anbeginn eine bedeutende Rolle im sommerlichen Repertoire gespielt. „Der Rosenkavalier“ ist neben den großen Mozart-Opern so etwas wie ein Wahrzeichen der Festspiele geworden und wird immer wieder aufs Neue zur Diskussion gestellt.
Andere Opern des Meisters kehren nicht so häufig wieder. Gerade jenes Stück, das Thielemann für sein Salzburger Operndebüt gewählt hat, weist eine knappe Festspiel-Historie auf. Dabei ist gerade die „Frau ohne Schatten“ eine ideale Oper für jenen künstlerischen Ausnahmezustand, den man in der Zeit der Theaterferien erreicht, weil man Kräfte bündeln kann, die sonst in aller Welt zerstreut sind.
Die „Frau ohne Schatten“ ist von ihrer Faktur her ein Stück, das an „normalen“ Opernhäusern nur mit Mühe herausgebracht werden kann. Eine große, bunte Märchenerzählung hat Hugo von Hofmannsthal, der andere Festspiel-Gründer im Bunde, für Richard Strauss erdacht. Allein neun Verwandlungen sieht das Szenarium vor, die Bühne verändert sich zu entsprechend pittoresken Klängen, vom Kaiserpalast zur Färberstube, vom Wald zum Feentempel. Der Komponist malt die einzelnen Bilder mit dickem Orchesterpinsel aus – der philharmonische Klangteppich trägt die Stimmen, denen Strauss schier Übermenschliches abverlangt. Gleich zwei hochdramatische Sopranistinnen muss man für eine adäquate Aufführung der „Frau ohne Schatten“ finden, die Kaiserin – diesmal gesungen von Anne Schwanewilms – und die Färbersfrau, die der kinder-, also „schattenlosen“ Kaiserin ihren Schatten verkaufen soll: Evelyn Herlitzius.
Stephen Gould ist der Kaiser, Wolfgang Koch der Färber Barak, Michaela Schuster gibt die gespenstische Figur der Amme, Christof Loy wird inszenieren. Er ist damit der dritte Regisseur im Salzburger Sommer, der es wagt, die eminente Herausforderung anzunehmen.
Clemens Krauss hat zu Strauss’ Lebzeiten die Erstaufführung der „Frau ohne Schatten“ dirigiert: Mehr als drei Aufführungen hat man in den Jahren 1932/1933 von dieser durchwegs von Wiener Kräften gestalteten Produktion nicht zustande gebracht.
Vier Jahrzehnte später erfüllte sich Karl Böhm einen Wunschtraum: Günter Rennert schuf für ihn 1974 eine Inszenierung, die alle, die sie miterleben durften, als kongenial bezeichneten. Der Erfolg war so groß, dass die längst festliegenden Pläne für das folgende Jahr noch umgestoßen wurden, um noch einmal die Strauss-Oper zeigen zu können.
Danach gab es in Salzburg nur noch einmal, zu Ostern unter Georg Solti, eine neue „Frau ohne Schatten“.
Christian Thielemann rundet seine interpretatorische Straussiana 2011 noch durch die Aufführung der gleichzeitig mit der Oper entstandenen Tondichtung „Eine Alpensymphonie“ in den philharmonischen Konzerten am 7. und 8. August ab, in denen überdies Renée Fleming einige Orchesterlieder des Komponisten und die Finalszene des ersten Aktes der letzten gemeinsamen Oper von Hofmannsthal und Strauss singen wird, „Arabella“.
Oper
Die Frau ohne schatten
von Richard Strauss
29. 7. 2011
Premiere im Großen Festspielhaus
Vorstellungen: 1., 4., 11., 14., 17., 21. 8. 2011
Konzert
Werke von Richard Strauss
7. und 8. 8. 2011
im Großen Festspielhaus
www.salzburgfestival.at