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Der Tod kam mit den Gurken aus Spanien

(c) Dpa/Carsten Rehder (Carsten Rehder)

Quelle der Welle an bakteriellen Darminfektionen, die seit Tagen Deutschland heimsucht und schon drei Todesopfer gefordert hat, dürfte geklärt sein: Salatgurken aus Spanien waren mit den Keimen kontaminiert.

Hamburg/Wien/Ag. Mehr als 600 Menschen in Deutschland sind in den vergangenen Tagen an einer Darminfektion durch einen Typ von Escherichia-coli-Bakterien erkrankt, mindestens drei Personen sind gestorben. Am Donnerstag haben Hamburger Wissenschaftler das Vehikel gefunden, mit dem die Bakterien verbreitet worden sind bzw. werden: Salatgurken aus Spanien.

Am Institut für Hygiene wurden vier Gurken getestet, die die Keime trugen: Drei kamen aus Spanien, die Herkunft der vierten Gurke war unklar. Die Behörden befahlen, die betreffenden Gurken aus dem Handel zu nehmen. Hamburgs Innensenatorin Cornelia Prüfer-Storcks betonte, die Studie beziehe sich nur auf Hamburg, Überträger im übrigen Deutschland könnten auch andere Lebensmittel sein. Die ungewöhnliche Infektionswelle erfasste bis Donnerstag alle deutschen Länder bis auf Rheinland-Pfalz, Brennpunkt ist Hamburg. Einzelne Fälle gibt es in Großbritannien, Schweden, Holland: Alle Patienten sind zuvor in Deutschland gewesen.

 

Kaum therapierbar

Bei dem pathogenen Keim handelt es sich um Enterohämorrhagische-Escherichia-coli-Bakterien (EHEC), eine aggressive Unterart des Darmbakteriums Escherichia coli. EHEC löst Übelkeit und Durchfälle aus und führt in zehn bis 20Prozent der Fälle zu Nierenversagen und eventuell zum Tod. Seit 2001 zählte man in Deutschland pro Jahr 800 bis 1200Fälle. Von EHEC gibt es über 42Typen, der genaue Typ ist am Mittwoch von Bremer Forschern ermittelt worden: „HUSEC41“, ein bisher unauffälliger Keim, der indes eine Besonderheit habe: Ihm fehlt ein Gen, weshalb er anders als das Gros der EHEC-Keime nicht mit Penizillin und den meisten anderen Antibiotika bekämpfbar sei. Einsetzen könne man nur das Antibiotikum Carbapeneme, das setzt über Umwege Gifte frei und schädigt die Nieren.

Von der schwersten Form der Infektion wurden mindestens 200 Fälle gezählt (in Deutschland sind es sonst pro Jahr etwa 60). Wegen der Inkubationszeit von zehn Tagen rechnen Ärzte mit weiteren Erkrankungen – und weiteren Toten.

 

Neue Todesfälle drohen

„Wir müssen damit rechnen, Patienten zu verlieren“, sagte der Nierenspezialist Rolf Stahl vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wo etwa 50Personen behandelt werden, darunter mit Dialyse.

In Österreich ist HUSEC41 nicht aufgetaucht, seit 1.Jänner gab es fünf Infektionen durch andere EHEC-Typen, eine Frau starb. Das Gesundheitsministerium riet Ärzten, auf Durchfallleiden zu achten; man solle rohes Gemüse meiden und Hygiene walten lassen.

Lexikon

Escherichia coli (E. coli) ist ein Stäbchenbakterium, das der deutsch-österreichische Kinderarzt Theodor Escherich (1857–1911) entdeckte (eine Straße in Wien-Döbling ist nach ihm benannt). E. coli kommt im Darm von Mensch und Tier vor, unterstützt das Immunsystem und erzeugt VitaminK. Mehrere Untertypen können Erkrankungen auslösen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2011)