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Laienchef geht: Attacken auf Papst und Bischöfe

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Ex-Volksanwalt Kohlmaier legt sein Amt als Sprecher der Laieninitiative zurück. Für Kohlmaier kann Christentum nur noch in völliger Loslösung von der römischen Hierarchie gelebt werden.

Wien/Red. „Die Kirche ist auf dem Weg zu einer lateinische Formeln murmelnden Sekte unterwerfungssüchtiger und sexualneurotischer Sonderlinge. Wir stehen unter dem Diktat einer verstockten vatikanischen Bürokratie, die weder gewillt noch fähig ist, den Auftrag des Herrn in unserer Zeit zu erfüllen.“

Polternd verlässt der frühere Volksanwalt und VP-Politiker Herbert Kohlmaier in einem Rundschreiben das Amt des Sprechers der von ihm gegründeten Laieninitiative. Er sieht unter den derzeitigen Gegebenheiten keine Chance mehr für eine echte Reform der katholischen Kirche.

 

„Nicht satisfaktionsfähig“

Für Kohlmaier kann Christentum nur noch in völliger Loslösung von der römischen Hierarchie gelebt werden. Heftige Angriffe richtet er gegen Papst und Bischöfe: Benedikt XVI. sei von seiner Aufgabe „auf jämmerliche Weise“ überfordert. Es sei unfassbar, wie dieser die verzweifelten Mahnungen besorgter Katholiken ignoriere, darunter sehr vieler aus Wissenschaft und Klerus. Mehr noch, Rom steuere sogar den Kurs zurück in die Vergangenheit.

Dies ist für den Ex-Politiker nicht nur unchristlich, sondern auch „grob ungehörig“. Der Großteil der Bischöfe verhalte sich, so Kohlmaier, nicht anders. Und dann wörtlich: „Sie haben sich zu willenlosen Außenstellenleitern Roms degradieren lassen. Solche Leute sind für mich einfach nicht satisfaktionsfähig. Ich will mit ihnen nichts mehr zu tun haben.“ Die Laieninitiative habe ihre Bedeutung nicht verloren. Sie müsse jenen, die der Kirche trotz allem die Treue halten, eine unverzichtbare Stimme geben. Die Arbeit werde mit allem Einsatz fortzusetzen sein.

 

„Unerträgliche Bevormundung“

Kohlmaier: Es gebe viele ausgezeichnete Seelsorger wie Pater Georg Sporschill oder Helmut Schüller. An der „Basis“ geschehe Großartiges. Dort liege die Zukunft der Kirche. Und abschließend: „Eine niederdrückende Last muss abgeworfen werden, die Wege unseres Herrn sind frei von unerträglicher Bevormundung zu beschreiten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2011)