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Europa droht eine Rohstoffkrise

(c) EPA (MOHAMMED JALIL)
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Der Verbrauch von Rohstoffen könnte sich bis 2050 verdreifachen. Die EU-Kommission will Recycling steigern, das würde auch die Klimabilanz verbessern. Wiederverwertungspotenzial ist vor allem bei Metallen hoch.

Brüssel/Wien. Die EU-Kommission präsentierte am Donnerstag zwei Studien, die sie gemeinsam mit der UNO hat erstellen lassen. Deren Hauptaussage lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig: Geht der Ressourcenverbrauch so weiter wie bisher, sind wir 2050 in einer massiven Rohstoffkrise. Dann liegt der Jahresverbrauch an Rohstoffen (Erzen, fossilen Brennstoffen etc.) bei 140 Milliarden Tonnen und damit dreimal so hoch wie heute. EU-Umweltkommissar Janez Potočnik kündigte deshalb einen „Fahrplan für ein ressourceneffizientes Europa“ an. Von den Mitgliedstaaten erwartet er sich dafür Steuerreformen, die Beseitigung ineffizienter Subventionen und eine Fokussierung auf Recycling.

 

Spezialmetalle zu oft im Müll

Das Wiederverwertungspotenzial ist vor allem bei Metallen hoch. Derzeit werden nämlich nur 18 von ihnen zu mehr als 50 Prozent recycelt. Gute Quoten gibt es bei Eisen und Stahl, bei Kupfer, Aluminium, Blei und Zinn. Bei einem Großteil der Metalle schafft man aber nicht einmal eine Recyclingquote von einem Prozent. Darunter befinden sich vor allem Metalle, die im Hightech-Bereich verwendet werden. Der UN-Bericht warnt davor, dass diese Spezialmetalle und seltenen Erden in 40 Jahren nicht mehr vorhanden sein könnten. Bessere Sammelsysteme, vor allem in den Entwicklungsländern, würden zudem nicht nur die Rohstoffe länger für die Produktionsprozesse bereithalten. Sie würden auch die Klimabilanz erheblich verbessern. Man rechnet nämlich damit, dass Milliarden Tonnen an Treibhausgasen reduziert werden, weil für das Recycling von Metallen zwischen zweimal und zehnmal weniger Energie verbraucht wird als beim Schmelzen von Erzen.

Der UN-Bericht geht davon aus, dass es nicht nur möglich, sondern sogar dringend notwendig wäre, das Wirtschaftswachstum vom steigenden Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Die Lösung liegt demnach in steigender Effizienz. Man geht dabei von drei möglichen Szenarien aus. Derzeit verbrauchen die Industrienationen pro Kopf 16 Tonnen an Rohstoffen im Jahr. Und das ist auch nur ein Durchschnittswert. Verschwenderische Länder verbrauchen 40 Tonnen und mehr pro Kopf und Jahr. Zum Vergleich: Im Boomland Indien sind es gerade einmal vier Tonnen pro Einwohner und Jahr.

(C) DiePresse

Ehrgeiziges Ziel reine Illusion?

Das ehrgeizigste der drei Ziele geht davon aus, dass der Verbrauch der Industrienationen um zwei Drittel reduziert werden kann. Die Entwicklungsländer müssten auf demselben Niveau wie bisher bleiben, was durch effizienteren Einsatz durchaus möglich wäre. Damit wäre der Rohstoffverbrauch auf das Niveau des Jahres 2000 zurückzuschrauben. Man käme damit auf sechs Tonnen pro Kopf und Jahr oder auf insgesamt 50 Milliarden Tonnen. Die Studienautoren gestehen allerdings, dass dies politisch kaum umsetzbar sein werde.

Szenario zwei rechnet damit, dass die Industriestaaten ihren Verbrauch auf acht Tonnen pro Kopf halbieren können und die anderen Nationen auf dieses Niveau aufschließen. Damit wäre man 2050 bei 70 Milliarden Tonnen Jahresverbrauch. Für diesen Rohstoffumsatz käme man pro Einwohner immerhin noch auf eine Erhöhung des Kohlendioxid-Ausstoßes um 50 Prozent. Das dritte Szenario geht von keinerlei Veränderungen aus, was zu den erwähnten 140 Milliarden Tonnen jährlichem Rohstoffverbrauch führen würde.

Die Studienautoren sind dennoch optimistisch. Sie rechnen damit, dass die drohende Verknappung der Rohstoffe und die dadurch steigenden Kosten zum Handeln zwingen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2011)